KAPITEL XI – KRIEG ODER FRIEDEN?

DISKUSSIONEN UND STANDPUNKTE INNERHALB DER ENTENTE (SOMMER UND HERBST 1917)

Am 8. Juni 1917 analysierte die britische Regierung die militärische Lage. Sie war unerfreulich, weil erfolglos: die Frühjahrsschlacht der Franzosen bei Aisnes und der Durchbruchsversuch der Engländer in Flandern waren gescheitert, der U–Boot Stützpunkt Zeebrügge blieb in deutscher Hand. Die französische Armee litt an den Folgen der Meuterei vom 20. Mai 1917. Die Heeresleitung griff durch und verurteilte 150 Mann zum Tode; 23 wurden hingerichtet. Marschall Henri–Philippe Pétain, hatte Robert George Nivelle abgelöst, er benötigte Zeit: vor Juli war mit einem Einsatz nicht zu rechnen. Pétain wollte die Ankunft der Amerikaner abwarten und dann angreifen.
Die 10. Isonzoschlacht endete bei gegenseitigen hohen Verlusten unentschieden. Die Kriegsmoral der Italiener war unterhöhlt, drei Regimenter hatten sich kampflos ergeben.
Im weiteren folgen wir den Rekonstruktionenen von Sir Maurice Hankey, die er im Frühling 1918 über den österreichisch–ungarischen Friedensversuch durch Prinz Sixtus angelegt hatte.
In der Kabinettsitzung vom 8. Juni 1917 ventilierte Lloyd George die Möglichkeit von Separatfrieden mit der Türkei, mit Bulgarien und Österreich–Ungarn, da er das österreichische Angebot vom Frühling ernst nahm. Baron Sonnino hatte die geplante Begegnung der Könige von England und Italien mit Ribot verhindert und die Möglichkeit eines Friedens mit Österreich vertuscht, denn er konnte keine Bedingungen stellen. Die Kontakte zu Österreich–Ungarn hatte der ehemalige Ministerpräsident Giovanni Giolitti vermittelt und Sonnino damit in politische Schwierigkeiten gebracht. Aber Lloyd George wollte nicht tolerieren, daß die Friedensmöglichkeit mit Österreich verhindert würde. Er bestand auf einer Konferenz mit Sonnino und auf dem Recht Österreichs, eine Antwort auf sein Friedensangebot zu erhalten. Die britische Regierung scheute sich, Schritte ohne vorhergehende Verständigung mit Italien zu unternehmen. Doch sie wollte die Annäherung an Österreich–Ungarn riskieren, um durch richtiges Handeln Deutschland zu isolieren und einen Allgemeinen Frieden unter den Bedingungen der Entente zu ermöglichen. Zur Vorbereitung auf diese britisch–französisch–italienische Konferenz entstand ein Komitee für Kriegsstrategie (“Kriegspolitik,” “war policy”), das zwischen 08. und 21. Juni 1917 einundzwanzig mal zusammentrat. An einzelnen Sitzungen nahmen außer den Ministern des Komitees der britische Generalstabschef, General William Robertson und der Oberbefehlshaber der britischen Armeen in Frankreich, Sir Douglas Haigh, teil. Man diskutierte die Fortsetzung der Flandernoffensive und den Sonderfrieden mit Österreich–Ungarn. Lloyd George ahnte schon das Desaster von Passchendaele (Herbst 1917) voraus und plädierte für den Separatfrieden mit Österreich. Könnte man ihn nicht diplomatisch erreichen, sollte man ihn auf dem italienischen Kriegsschauplatz erzwingen. Sonnino taktierte jetzt ähnlich wie Ribot, mit Verzögerung. Er stimmte zwar der von den Engländern vorgeschlagenen Konferenz für 15. Juni 1917 zu, konnte aber nur in der ersten Juliwoche zur Verfügung stehen und lehnte es ab, über einen Separatfrieden mit Österreich überhaupt nur zu sprechen, was er dann im Frühling 1918 vor dem Italienischen Parlament bestritt Am 21. Juni 1917 wurde eine allgemeine Konferenz über die Balkansituation beschlossen. Die britischen Militärs plädierten für die Flandernoffensive, danach wollten sie schwere Geschütze an die italienische Front transferieren und der Gegenoffensive in den Gebirgen des Trento mit Operationen im Karst ausweichen.
Am 21. Juli 1917 diskutierte die britische Regierung im Hinblick auf Rußland wieder den Separatfrieden mit Österreich. Nachdem jetzt eine militärische Pattstellung die Kriegsentscheidung verhindere, wäre es “[...]lebensnotwendig (sic!), Österreich aus dem Kriege auszuschalten.[...]” Die italienische Regierung ließ keine diplomatische Aktion zu, weshalb die Briten, Triest erobern wollten. General Foch bezweifelte grundsätzlich einen italienischen Erfolg ohne russisch–rumänische Parallelangriffe an einer anderen Front.
Als Auftakt zur Pariser Konferenz der Entente hielten die Freimaurer ihren seit Mitte Jänner 1917 geplanten internationalen Kongreß ab. Sie hatten alle Logen aus Ländern der Entente und der Neutralen vom 28. bis 30 Juni 1917 nach Paris geladen, um Meinungsbildungsprozesse in gang zu setzen, politisch–weltanschauliche Konzepte zu diskutieren und ideologische Grundlagen für konkrete politische Maßnahmen zu bieten.
Die Texte des Kongreßberichtes wiederholten die unpolitische Tätigkeit der Freimaurer. Faktum ist, daß die meisten Politiker der Entente zwar Logenmitglieder, aber keine Logenfunktionäre waren. Die bedeutendsten Politiker, Minister, Ministerpräsidenten und Botschafter, Journalisten, Schriftsteller und Historiker in den Ententeländern gingen mit den Meinungen der Loge konform.
Es kamen Delegierte von18 Großorienten und Großlogen aus Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, aus der Schweiz, aus Belgien, Serbien, Argentinien und Brasilien nach Paris, Freimaurer englischer und französischer Obödienzen, wie des schottischen Ritus. Die dem Kongreß fern gebliebenen amerikanischen Logen von Ohio und Costa Rica adoptierten nachträglich die Beschlüsse.
Das Kongreßdatum war mehrfach symbolisch. Man traf sich zum Bundesfest beim höchsten Sonnenstand, unmittelbar nach der Sommersonnenwende. Am katholischen Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus (29. und 30. Juni) formulierten die Massonen ihre Haltung zum päpstlichen Friedensappell, der damals in Vorbereitung war. Die Freimaurerliteratur nennt als programmatisches Kongreßdatum den Todestag des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand ( 28. Juni 1914)
Die Kongreßeröffnung war am 28. Juni 1917 im Grand Orient de France, 16, rue de Cadet. Den Vorsitz führten abwechselnd G. Corneau (33e) (Grand Orient de France) und General Peigné ( Grande Loge de France). An den exklusiven Zusammenkünften nahmen 29 Mitglieder teil, je drei Delegationsmitglieder aus den einzelnen Ländern, die bei der Stimmabgabe verschiedentlich auch andere Logen vertraten. Den Schluß machten am 30. Juni 1917 ein Aperitif, ein brüderliches Déjeuner und eine “Freimaurer Liturgie” (“une Tenue Sol”).
Der Sekretär des” Conseil de l’ Ordre du Grand Orient de France”, der Schriftsteller und Romancier André Lebey, hielt die Eröffnungsrede zum Thema ” A la gloire de la Franc–Maçonnerie Universelle”. Er betrachtete darin den Ersten Weltkrieg und erkannte in ihm die Konfrontation von Demokratie und Imperialismus, den Kampf von Wahrheit und gutem Glauben gegen Lüge und Intrigen. Österreich–Ungarn gruppiere die Nationen gewaltsam und künstlich zu einem Staat und verweigere ihre Befreiung. Seit der Konferenz vom Haag 1899 habe man auf Initiative von Bruder Léon Bourgois, eine Friedensorganisation der Völker durch Freiheit propagiert. Die Zentralmächte hätten die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Völker und des Gleichgewichts der Mächte gewaltsam verhindert. Dieses Ringen feindlicher Prinzipien habe mit der Verletzung der belgischen Neutralität und mit dem Eintritt der USA in den Krieg anläßlich der Russischen Revolution begonnen. Könne die Humanität angesichts dieser Ereignisse Heil oder Untergang erwarten, habe sie Zukunft oder gehöre sie der Vergangenheit an? Könne sie mit einem siegreichen Frieden die Gerechtigkeit, die Verteidigung des Rechts gegen die Wiederkehr der Verbrechen (des Krieges) behaupten? Die Humanität, für Lebey oberstes Prinzip menschlicher Selbstverwirklichung und “Quelle des Friedens”, aus der Menschen–und Völkerrechte entstünden, müsse leben! Das Völkerrecht müsse, um ökonomische und militärische Aktionen zu verhindern und den allgemeinen Frieden aufrechtzuerhalten, ausgestaltet werden. Innerhalb des Völkerbundes könne sich niemand isolieren, ohne anderen gegenüber seine Pflicht zu verletzen. Neutralität verstoße gegen das allgemeine Prinzip. Der Krieg fordere das internationale Recht, das “Recht des Friedens”. Frankreich, der Sieger im Weltkrieg, wolle Europa auf der Grundlage dieses Rechtes wiederaufbauen, das Völkerrecht, die Charta der Humanität von morgen, verwirklichen. Die “Humanität” vermische die Klassen, vereine die Nationen, belebe ihr Bewußtsein (Gewissen), führe sie in ein neues Leben und zu ihrem besseren Selbst. Sie würde auch Frankreich gegen die “Resistance” zu sich selbst bringen:”[...]Von Waterloo nach Sedan, von Sedan zur Marne, von Lafayette und Washington zu Präsident Wilson und Marschall Joffre.[...].” Frankreichs “Apostolat”(!) sei vom Kampf gegen den Militarismus und vom Einsatz für den Völkerbund, den Vorläufer der Friedensverträge, bestimmt. Der Frieden müsse mit Enthusiasmus, Verstand, Gefühl für Solidarität und mit mehr Klugheit und Durchschlagskraft als bisher von einer “Heiligen Allianz” vorbereitet , das Werk der französischen Revolution gekrönt werden.
Die Reiche im Herzen Europas würden gegen Menschen– und Völkerrechte opponieren. Die Politik Österreich–Ungarns sei ein einziges Ferment der Zwietracht, jene Deutschlands eine dauernde Konspiration gegen die Freiheit in Europa und auf der ganzen Welt. Die Strukturen Deutschlands und Österreich–Ungarns stünden gegen die Gemeinschaft der Nationen. Vor dem Völkerrecht existiere kein Recht der Reiche sondern nur ein Recht der Nationen. “[...] Das soziale nationale Gewissen ist die aktive Form des Prinzips der Nationalitäten. Es erlaubt dem kollektiven Willen, sich in legalen Formen zu manifestieren und einen Staat zu bilden, der legitim und liberal seine Sehnsucht verwirklicht[...]Es ist ein heiliger Krieg, und wir müssen dies wiederholen, ohne zu ermüden[...]es darf keine Hegemonie gegen die Humanität geben[...]dies ist eine dauernde Gefahr für die Zukunft.[...]“Die Völker Zentraleuropas würden , regeneriert, geläutert und gerettet die Organisation des Völkerbundes, die in und durch die Freiheit annehmbar, wohltätig und heilsam sei, kennenlernen. Das einzige (!) Mittel, den Frieden von morgen herbeizuführen, sei mit dem preußischen Militarismus abzurechnen, der einen ” doktrinären und tyrannischen Staat” geschaffen und Elsaß – Lothringen an sich gerissen hätte, sei die Fortsetzung des Krieges. Er müsse gegen Naumanns Mitteleuropaidee bis zur Abdankung der Hohenzollern geführt werden.
Lebey nannte Friedensbedingungen:
1. Die Rückführung von Elsaß–Lothringen an Frankreich.
2. Die Wiederherstellung des dreigeteilten Polen zu einem einzigen Staat.
3. Die Unabhängigkeit Böhmens.
4. Die Befreiung oder Vereinigung jener Nationalitäten, die von der politischen und administrativen Organisation des Habsburgerreiches unterdrückt würden, zu Nationalstaaten durch ein Plebiszit.
Prag sei zum Zentrum der unvergleichlichen Versöhnung im ” neuen Europa” berufen , Belgien, das unter dem Krieg mehr als alle anderen gelitten hätte, zum Terrain der internationalen Beziehungen , wo man die Kriege der Zukunft verhindere, auserwählt. Serbien müsse in seiner alten Größe wiederhergestellt, beim siegreichen Frieden Italien mit Trient und Triest belohnt werden.
Der Kongreßnachmittag des 29. Juni 1917 war Italien gewidmet. Giuseppe Meoni, Direktor der Zeitung “Il Messagero”, Vertreter der Grand Loge Symbolique d`Italie und Überbringer von Resolutionen italienischer und internationaler Delegationen, war am Wort. Er forderte die Schaffung eines internationalen Gerichtshofs: Die Rekonstruktion Europas und der Humanität von morgen müsse das Werk der Völker und der Freiheit sein. Sie könne nicht von den Kaprizen und Interessen der Dynastien, der Diplomaten und der herrschenden Klassen abhängen.
Meoni sekundierte Lebey. Der Despotismus habe den blutigen Krieg provoziert. Er strebte nach der Unterwerfung der Völker, ordnete das Recht unter die Macht, erzeugte die autokratische Regierungsform, propagierte die Gefühle des Hasses und strebte nach Hegemonie. Blitzartig würde der gegenwärtige Krieg in allen Kollektiven (Gesellschaften) den Respekt von Recht, Freiheit und pazifistischem Fortschritt hervorbringen. Die “freimaurerischen Familien” akzeptierten die traurige Notwendigkeit des Krieges.[Hervorhbg d.d. Vfin], um die unverzichtbare freie und friedliche Union der zivilisierten Völker hervorzubringen. Auch für Meoni heiligte der Zweck die Mittel.
Als Voraussetzungen für die “Föderation der Vereinigten Staaten von Europa” nannte Meoni
• die Unterdrückung jeder Art von Despotismus,
• die Beseitigung der Geheimdiplomatie,
• die Konzeption eines Reglements zur Schlichtung internationaler Streitfälle durch Schiedsgerichte.
Die italienischen Resolutionen schlossen: “[...]Das oberste Ziel der Freimaurerei besteht in der menschlichen Emanzipation von jeder moralischen, religiösen, politischen und ökonomischen Unterdrückung. Man braucht für die brüderliche Vereinigung aller Völker einen universellen Geist der Solidarität. Neutrale Regierungen können nicht an der Festsetzung der Grenzen teilnehmen.[...]” Die Diskussion forderte dann, die “unterdrückten Nationen” vor den Volksabstimmungen zu konsultieren. Am Ende des Kongresses präsentierte Lebey das Konzept des Völkerbundes, das vom Kongreß angenommen und von den Kongreßteilnehmern unterschrieben wurde.
Am 25. und 26. Juli fand dann in Paris die über einen Monat verzögerte Konferenz der Entente statt. Die Frage des österreichischen Separatfriedens wurde in der Hauptkonferenz, an der die kleineren und größeren Alliierten teilnahmen, nicht mehr berührt. Lloyd George, Balfour, General Smuts, einige französische Minister und Sonnino führten jedoch diplomatische Gespräche mit Ribot. Davon existieren keine Protokolle; da an ihnen weder die Sekretäre, noch Sir Maurice Hankey teilnehmen durften. Hankey bezeugte ähnliche Diskussionen während eines Essens, das der französische Munitionsminister Albert Thomas für Lloyd George gab.
Erst am 26. Juli 1917, als man beim ” procès verbal,” die Aktionen beim Ausscheiden Rußlands aus dem Krieg besprach, machte Hankey wieder Notizen. Neuerlich stand die These von Lloyd George, Österreich militärisch zum Separatfrieden zu zwingen, zur Diskussion. Die innenpolitischen Probleme Österreich–Ungarns, Erschöpfung, Uneinigkeit und eine militärische Niederlage würden die Donaumonarchie gefügig machen:”[...]Die Türkei aus dem Krieg zu lösen wäre wichtig, Österreich noch viel wichtiger. Wenn wir weiterhin erwarten, Galizien, Bukowina, Banat, Temesvar, Transsylvanien und die serbischen Forderungen zu erwerben, schauen wir den Tatsachen nicht ins Auge.[...]” Llyod George verlangte, Deutschlands östliche Verbündete auszusondern, und sich auf das Hauptziel dieses Krieges, die Zerstörung der preußischen Autokratie zu konzentrieren. In Anwesenheit Cadornas zögerte Sonnino, sich zu äußern; in der Hauptsache unterstützte er Llyod George. Doch die Generäle Foch und Pétain waren für diese Pläne nicht zu haben.
Bei der Folgekonferenz von London (7.–8.August) wiederholte Lloyd George seinen Plan vom militärisch erzwungenen Separatfrieden mit Österreich. Ribot und Painlevé hielten es für unmöglich, die militärischen Pläne zu ändern,sie wollten das Problem auf 1918 verschieben. Ihre Ansicht stützte sich auf Beschlüssen der Pariser Militärkonferenz von 24. Juli 1917. Österreich könne nur an zwei Fronten und durch fortgesetzte Angriffe auf die deutschen Streitkräfte besiegt werden. Die militärische Anstrengung wäre zu große: man müßte die Alpen überqueren und Wien erreichen. Eine Offensive im Karst könnte den Fall von Triest herbeiführen und Österreich vielleicht gefügig machen. Jetzt könne man die Kriegsentscheidung militärisch nicht erzwingen. General Albricci und Sonnino drängten auf Waffenhilfe. Albricci sah Ende August 1917 die letzte Möglichkeit für eine Offensive gegen Österreich.
Hankey konnte, weil nur über fragmentarische Notizen verfügend, keine detaillierten Angaben machen, er erwähnte aber, daß Lloyd George am 14. August 1917 das britische Kabinett von französisch–österreichischen Verhandlungen in der Schweiz unter Painlevés Leitung informiert hätte. (Es handelte sich um Sondierungen der Grafen Armand und Revertera in Fribourg und um parallel dazu laufende Kontaktversuche von Berta Zuckerkandl, der Tochter des Wiener Journalisten Moritz Szeps, Herausgebers der Neuen Freien Presse mit Painlevé selbst.)
In London stand auch der päpstliche Friedensvorschlag zur Diskussion. Er war am 14. August 1917, dem englischen König überreicht worden, mit der Bitte ihn jenen Mitgliedern der Entente zu übermitteln, die beim Heiligen Stuhl keine diplomatische Vertretung hätten. Georg V. nahm den Friedensappell Benedikts XV. sehr positiv auf, und Graf John Francis Charles Salis, britischer Gesandter beim Heiligen Stuhl, gab die positive Einstellung Englands zu erkennen. Ribot stoppte sofort diese Aktion. er forderte die verbündeten Regierungen auf, gemeinsam und wie Wilson dem Papst zu antworten.
Der Brief Wilsons an Benedikt XV. trug das Datum vom 27. August 1917 und die Unterschrift von Staatsekretär Robert Lansing. Nach einleitenden Höflichkeiten und bemerkte der Präsident, der Papst würde mit seinem Vorschlag, zurückzukehren, die Tatsachen verkennen. Wilson betrachtete es als Kriegsziel: “[...] die freien Völker dieser Welt von der Gewalt einer ungeheuren Kriegsmacht, die von einer verantwortungslosen Regierung kontrolliert wird, zu befreien. Sie hat im geheimen geplant, die Welt zu beherrschen und diesen Plan ohne Rücksicht auf geheiligte Vertragsverpflichtungen, alte Traditionen und Prinzipien internationaler Handlung und Ehre erfolgreich ausgeführt.[...]“Ein Friedensgespräch nach dem Vorschlag des Papstes würde die deutsche Kriegspolitik stärken und erneuern, das “neugeborene” Rußland den Intrigen, vielfältigen Einmischungen und einer Gegenrevolution überlassen. In der Paraphrase zu den Pariser Freimaurerresolutionen meinte Wilson, der Friede sollte sich auf das Recht der Völker und nicht auf jenes der Regierungen gründen. Die Rechte der großen oder kleinen, der schwachen oder starken Völker seien gleich, wie ihre Ansprüche auf Freiheit, Sicherheit, Selbstbestimmung und auf die Teilnahme an der Weltwirtschaft zur fairen Bedingungen. Dies gelte auch für das deutsche Volk, sofern es die Gleichheit akzeptiere und nicht die Dominanz suche. Die deutsche Regierung, sei kein Garant für einen dauerhaften Friedensschluß, das deutsche Volk müsse sich selbst äußern und den Frieden garantieren. Deshalb müsse die Entente neue Erkenntnisse über die Absichten der großen Völker der Zentralmächte abwarten.
Wilson wies in seiner Antwort an Benedikt XV. jede direkte oder indirekte Vermittlung des Heiligen Stuhles zwischen der Entente und dem Deutschen Kaiserreich ab. Er sprach nicht über Österreich–Ungarn, zu dem zwar die diplomatischen Beziehungen unterbrochen waren, mit dem man sich aber noch nicht im Kriegszustand befand, auch nicht über die Türkei und Bulgarien. Ribot hatte es vermocht, die Alliierten in ihrer militärisch erfolglosen Phase einmütig hinter Amerika zu sammeln und alle Friedenstendenzen blockieren. Das Friedensangebot Österreich–Ungarns durch Prinz Sixtus und sein großes internationales Echo quittierte Ribot mit sechsmonatigem Schweigen. Ähnlich verhielt er sich zum Waffenstillstandsangebot Kaiser Karls über den ungarischen Offizier Wilhelm von Hevesy Am 12. Oktober 1917 teilte er der französischen Kammer mit: man könnte mit Österreich–Ungarn nicht zum Frieden kommen, denn es wollte Italien aus den Gesprächen ausschalten. Die Alliierten ließen sich durch solche Manöver nicht auseinanderbringen.
Es waren dieselben Ausflüchte, die schon das Memorandum der Konferenz von Saint Jeane de Maurienne enthielt. Man wollte den Krieg mit Hilfe der USA fortsetzen.