KAPITEL III – DIE VERANTWORTUNG VOR DER GESCHICHTE TRÄGT IMMER DER MONARCH

Biographisches zu Erzherzog Carl Franz Joseph

Kaiser Franz Joseph hinterließ kein politisches Testament. Das persönliche Testament vom 06. Februar 1901 erwähnte den Thronfolger, damals Erzherzog Franz Ferdinand, nur ganz allgemein: “[...]Meinen geliebten Völkern sage Ich vollen Dank für die treue Liebe, welche sie Mir und Meinem Hause in glücklichen Tagen, wie in bedrängten Zeiten bethäthigten. Das Bewußtsein dieser Anhänglichkeit that Meinem Herzen wohl und stärkte Mich in der Erfüllung schwerer Regentenpflicht. Mögen sie dieselben patriotischen Gesinnungen Meinem Regierungsnachfolger bewahren. Auch Meiner Armee und Flotte gedenke Ich mit den Gefühlen größten Dankes für ihre Tapferkeit und treue Ergebenheit. Ihre Siege erfüllten Mich mit freudigem Stolze, unverschuldetes Mißgeschick mit schmerzlicher Trauer. Der vortreffliche Geist, welcher Armee und Flotte, sowie Meine beiden Landwehren von jeher beseelte, bürgt Mir dafür, daß Mein Regierungsnachfolger nicht minder auf sie zählen darf als Ich.[...][i]

“Die Verantwortung vor der Geschichte trägt immer der Monarch”, diesen Satz hatte der alte Kaiser dem Thronfolger Erzherzog Carl eingeschärft. Er kann als politisches Testament gelten und stammt aus der Erfahrung Franz Josephs mit dem Konstitutionalismus in Österreich–Ungarn. Kaiser Karl erlebte mit den Politikern ähnliches wie der alte Kaiser. Dieser hatte ihm “[...] wiederholt eingeschärft, daß die ganze Ministerverantwortlichkeit doch nur eine Farce ist. In Wahrheit tragen wir, und nur wir, die Verantwortung. Weiland Seine Majestät hat mir oft gesagt, ich soll das nie vergessen.>”[ii]

Genau besehen, war der Konsens zwischen dem Herrscher und seinen Regierungen fadenscheinig, das Königsamt in der politischen Diskussion, die Flucht von Amtsträgern vor der öffentlichen Rechenschaft in Privatsphäre und Anonymität, ein Signum des heraufziehenden Massenzeitalters, schon Praxis.[iii]

Kaiser und König Karl war sich seiner Berufung zum Herrscher “von Gottes Gnaden” sehr bewußt. In der Tradition seines Hauses anerkannte er über sich niemanden als den christlichen Gott, dessen Ruf er folgte, dessen Gebote und Gesetze Entscheidungen und Handlungen zu bestimmen hatten, dem allein er verantwortlich und Rechenschaft schuldig war. Der Papst in Rom war die einzige irdische Autorität, der er sich beugte.[iv] Hierin unterschied er sich von seinem toten Großonkel,[v] dessen Herrschaft an seinem Totenbett auf ihn übergegangen war.[vi]

Erzherzog Carl, Franz Joseph, Ludwig, Hubert, Georg, Otto, Maria, nunmehr Kaiser Karl I. von Österreich und König Karl IV. von Ungarn, stammte aus der Linie von Erzherzog Karl Ludwig, des Bruders von Franz Joseph. Sein Vater, Erzherzog Otto, war der jüngere Bruder des in Sarajewo ermordeten Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand.[vii] Erzherzogin Maria Josepha, Tochter des Königs Georg von Sachsen, war die Mutter.

Erzherzog Carl wurde am 17. August 1887 in Schloß Persenbeug an der Ybbs geboren, am Tag nach seiner Taufe (19. August 1887)[viii] überfielen die Erzherzogin schwere Nierenkrämpfe, drei Tage zitterte man um ihr Leben.[ix] Die Eltern waren ein sehr ungleiches Paar. Der 22–jährige Erzherzog Otto, ein schöner, eleganter und lebenslustiger Kavallerist,(“etwas charakterschwach”), zur militärischen Laufbahn bestimmt, hatte die um zwei Jahre jüngere sächsische Prinzessin zweifellos aus Staats–oder Hausräson geheiratet. Sie war “[...]ein stiller, tiefer Charakter, große Frömmigkeit, Pflichtbewußtsein, Bildung und Gründlichkeit zeichneten sie aus, äußerlich war sie etwas kühl[...].”[x] Bald zeigte es sich, daß die Ehe der beiden nicht glücklich war.[xi]

Die junge Familie teilte das Leben des Regimenter und Garnisonen wechselnden Erzherzogs Otto, der in der militärischen Ausbildung stand.[xii] Der Tod des Kronprinzen Rudolph (30. Jänner 1889) verschob die Erbfolge; er war für die gesamte Dynastie ein großer Schock und sie machte die europäische Massonnerie, deren Mitglied der Kronprinz war, dafür verantwortlich.[xiii] Erzherzog Franz Ferdinand, orientierte sich seither an der wiederauflebenden Staats–und Hausmystik der Dynastie, am Gottesgnadentum der Habsburger..[xiv]Das konservativ katholische Element, ein Charakteristikum die Familie Erzherzog Karl Ludwigs, bestimmte auch die Erziehung von Erzherzog Carl Franz Joseph. Man behielt die bewährten Lehrer von Vater, Onkeln und Tanten und den Grafen Georg Wallis, der 1894 sein Ajo primo wurde. Nachdem Erzherzogin Maria Josepha mit ihrem Sohn den Winter 1893 auf 1894 in Cannes verbracht hatte, begann der private Volksschulunterricht in Ödenburg.[xv] Am 13. April 1895 wurde Erzherzog  Maximilian Eugen, geboren, Erzherzog Otto wegen der schweren Tuberkulose seines Bruders als präsumptiver Thronfolger nach Wien berufen.Das Augartenpalais wurde nun sein Wohnsitz und er ernhielt einen eigenen Hofstaat.[xvi] In seiner militärischen Karriere stieg Erzherzog Otto vom Generalmajor (1896) über den Feldmarschalleutnant (1899) zum General (1905) auf. Die Qualifikationslisten weisen  ihn als begabten, pflicht–und diensteifrigen Offizier aus, der sein Regiment vorzüglich führte, den militärischen Geist der Truppe durch das eigene Beispiel hob und sich mit Herz für sie einsetzte.[xvii] Die Eheschließung von Erzherzog Franz Ferdinand mit Gräfin Sophie Chotek (1899) und die damit verbundene Renuntiation für seine Nachkommen, steigerte die dynastische Bedeutung Erzherzog Ottos und seines ältesten Sohnes. Als dieser für das Gymnasium reif war, wurde Emmerich Freiherr von Mattencloit, Rittmeister des Dragonerregiments Nr.13, sein zweiter Erzieher und Reitlehrer..[xviii] Mit einer Gruppe von Lehrern bereitete der Hofmeister Dr. Holzlechner mühelos Erzherzog Carl für den Abschluß des Untergymnasiums vor. Er lernte leicht und gut, war gewissenhaft und angenehm zu behandeln.[xix]

Am 3. November 1900 erschien der Erzherzog zum erstenmal im Wiener Schottengymnasium, “[...]um an dem öffentlichen Unterrichte in der Naturwissenschaft in der dritten Classe (Prof Stephan Fellner) theilzunehmen[...]“, seitdem kam er regelmäßig. Am 27.Juni 1901 legte er mit Erfolg seine Prüfungen über den Stoff des Untergymnasiums ab. Auch in den folgenden Schuljahren 1901–1903 besuchte er den naturwissenschaftlichen Unterricht in Physik, Mineralogie und Botanik. Seine Zeugnisse bestätigten den vorzüglichen Prüfungserfolg.[xx] Parallell zum Unterricht bei den Schotten kam der Erzherzog fallweise in das prominente Jesuitenkolleg nach Kalksburg bei Wien, um dort Sport zu betreiben. Der Generalpräfekt, P. Karl Graf Andlau SJ, hatte diese Möglichkeiten geboten und Einfluß auf das religiöse Leben des jungen Erzherzogs gewonnen.[xxi]

Der Privatunterricht dauerte an, denn Kaiser Franz Joseph hatte Erzherzog Carl verboten, die Matura abzulegen. “[...]Er fand, daß es sich für ein Mitglied des Kaiserhauses nicht schicke, in öffentliche Konkurrenz zu treten. Dieser Entschluß des Kaisers war für den jungen Erzherzog ungemein schwer, weil er ein fleißiger und ausdauernder Schüler war[...].”[xxii]

Es dürfte im Jahre 1903 gewesen sein, Erzherzog Otto war längere Zeit erkrankt, als sich das öffentliche Interesse dessen Sohn Carl zuwandte. Die Eltern waren besorgt, die Erziehung zu verlieren. Würde Erzherzog Carl zum “Staatskind” werden, sei der liberale und freimaurerische Einfluß unvermeidbar. Erzherzog Otto ersuchte seine Gattin, Kaiser Franz Joseph zu bitten, die öffentliche Erziehung ihres Sohnes abzuwenden. Der Kaiser erfüllte diesen Wunsch, Graf Wallis wurde bevollmächtigt, nach den Vorstellungen der Eltern wie nach eigenen Intentionen mit Erzherzog Carl weiter zuarbeiten.[xxiii] Seit damals hielt sich das Gerücht, man habe dem Erzherzog eine gründliche Ausbildung versagt, seine Kenntnisse reichten nicht über die fünfte Gymnasialklasse hinaus.[xxiv]

Vom Vater zur Soldatenlaufbahn bestimmt, wurde Erzherzog Carl am 1. November 1903 Leutnant im Ulanenregiment Nr.1″Erzherzog Otto”.[xxv] Eine umfangreiche sportliche Ausbildung in Reiten, Fechten, Schwimmen und Eislaufen hatte ihn darauf vorbereitet; Reisen nach Ungarn und Frankreich erweiterten seinen Horizont.[xxvi]

Als 1904 Erzherzog Otto wegen seiner schlechten Gesundheit als präsumtpiver Thronfolger nicht mehr in Frage kam, bestimmte er für seinen Sohn Carl parallel zur militärischen Ausbildung die Absolvierung juridischer Universitätsstudien.[xxvii] Ähnlich wie bei der Matura verbot Kaiser Franz Joseph dem Erzherzog auch den Besuch der Universität.[xxviii]

Während einer “Kaltwasserkur” in Brixen begegnete Erzherzog Carl Arthur von Polzer–Hoditz, der sein Mentor wurde. “[...]Trotz des bedeutenden Altersunterschiedes von nahezu zwanzig Jahren suchte der Erzherzog gerne meine Gesellschaft. Ich freute mich über sein sonniges Wesen, über seine heitere, offene Gemütsart und über die Herzensgüte. [...] Bei aller jugendlichen Lebensfreude liebte er ernste Gespräche. Ich war oft erstaunt über das einfache und klare Urteil, das er über Menschen und Dinge aussprach. Dieses Urteil war immer wohlwollend, niemals gehässig. Er zeigte viel Sinn für Naturschönheiten und liebte die Berge. Dabei war er fern von jeder Sentimentalität. Er haßte die Pose[...] Ein auffallend gutes Gedächtnis fiel mir schon damals an ihm auf, nicht nur für Menschen, sondern auch für Begebenheiten[...].”[xxix] Nach Abschluß der privaten Gymnasialstudien mit Fremdsprachen[xxx] und einem sehr fundierter Religionsunterricht rückte Erzherzog Carl am 1. Oktober 1905 als Leutnant zum Dragonerregiment Nr. 7 “Herzog von Lothringen” ein. Er sollte in Kutterschitz bei Bilin ein Jahr Eskadronsdienste leisten.[xxxi] Graf Wallis blieb als Kammerherr an seiner Seite. Mit 30. September 1906 wurde der Erzherzog in die Evidenz nach Dobran versetzt, am 01. November verstarb sein Vater, Erzherzog Franz Ferdinand war nun der Vormund.[xxxii]

Am Todestag des Vaters wurde Erzherzog Carl zum Oberleutnant befördert,[xxxiii] kurz danach bezog er gemeinsam mit Graf Wallis in Prag eine Wohnung auf dem Hradschin, die juridische Studienausbildung begann. Der Studienplan, von Polzer–Hoditz entworfen, wurde von Kaiser Franz Joseph und dem damaligen Minister für Cultus und Unterricht, Richard von Bienerth–Schmerling, unverändert genehmigt. Die Professoren der Universität Prag von Ott (Studienleiter), Bráf, Goll, Pfaff und Ulbrich hielten für den Erzherzog Privatvorlesungen. Er hörte Staats–, Verwaltungs–und Völkerrecht, Kanonisches und Kirchenrecht, Zivil–und Strafrecht, Nationalökonomie und Finanzwissenschaft.[xxxiv] An seinem zwanzigsten Geburtstag erklärte ihn Erzherzog Franz Ferdinand für großjährig.[xxxv]

Die Ferstelvilla Wartholz bei Reichenau war Erzherzog Carls liebster Aufenthaltsort. Sein Vater hatte nach dem Tod von Erzherzog Karl Ludwig (1896) das Benützungsrecht für Wartholz vom Familienfonds erworben. Hier hatte Erzherzog Carl 1899 die erste heilige Kommunion empfangen, hier war er am 14. September 1901 gefirmt worden,[xxxvi] in Wartholz konnte er seinen Drang nach Bewegung und frischer Luft ausleben.[xxxvii] Mit der Großjährigkeitserklärung änderten sich Status und Umgebung. Die Lehrer und Erzieher wurden entlassen, Prinz Zdenko Lobkowicz zum Kammervorsteher, Graf Franz Ledebur zum Dienstkämmerer bestellt. Erzherzog Carl hatte nun einen eigenen Haushalt und eigenes Geld.[xxxviii]

Seine Entwicklung wurde von drei Damen der Familie und Graf Wallis geprägt. Die Mutter, Erzherzogin Maria Josepha, fühlte sich für seine Erziehung sehr verantwortlich.[xxxix]Von 1890 bis 1906 überhäuften sie in Vertretung der Kaiserin Repräsentationspflichten. Die religiöse Erziehung des Erzherzogs übernahm Dr. Godfried Marschall in der Tradition habsburgischer Hofbeichtväter und Prinzenerzieher. Marschalls Predigt zur Erstkommunion des Erzherzogs enthält das gesamte religiöse Programm, das der spätere Kaiser lebte.[xl] Erzherzogin Maria Theresia, die dritte Gemahlin von Erzherzog Karl Ludwig,[xli] vertrat die Mutter. Die “Stiefgroßmama” wird als tatkräftige, gerade, gescheite Frau, “[...] sehr realistisch im Leben stehend[...]“, beschrieben. Sie vermittelte Erzherzog Carl “[...]großes Pflichbewußtsein, große Geradheit in Art und Ziel, die keine Abschweifungen zuließ, und einen praktischen Sinn.” In ihrem Haus war “alles so ganz klar und einfach.[...]“[xlii] Einfluß auf den jungen Erzherzog hatte auch Maria Annunziata, die Tochter von Erzherzogin Maria Theresia. Die um 11 Jahre ältere, war zu ihm wie eine große Schwester. Der familiär freundschaftliche Kontakt zur Familie Bourbon–Parma, die in Schloß Schwarzau im Steinfeld lebte, stellte sich über diese beiden Damen her. Denn Herzogin Maria Antonia von Bourbon von Parma war die Schwester von Erzherzogin Maria Theresia.

Das adelige Landleben der Jahrhundertwende spielte sich in der Landschaft zwischen Rax und Schneealpe bis zum Wechsel, der Buckligen Welt und der Oststeiermark ab. Man besuchte einander in den Jagdschlössern Mürzsteg (Kaiser Franz Joseph) und Wartholz (Erzherzoge Karl Ludwig und Otto), in den Villen von Reichenau, von Payerbach und Umgebung, in den Schlössern und Jagdhäusern der Bourbon–Parma (Schwarzau, St.Jakob im Walde), der Braganza (Seebenstein) und der Bourbonen (Frohsdorf). Auch sie lebten in Österreich im Exil.

Cholerisch veranlagt, manchmal aufbrausend, lebhaft und impulsiv, war der nun großjährige Erzherzog Carl einfach, sehr früh selbstdiszipliniert und fromm. Dem Sportlichen werden große Wahrheitsliebe, Gehorsam, Noblesse des Herzens und außerordentliches Mitgefühl für Arme und Leidende bestätigt.[xliii]Die militärischen Qualifikationslisten beschreiben ihn als blond, blauäugig, mit ovalem Gesicht, regelmäßigen Zügen, 1,78 m groß. Er war im Eskadronendienst, dann als Patrouillen- und Zugs–Kommandant “hervorragend ambitioniert”, “initiativ, unternehmend und geschickt”, lebhaft interessiert und besonders eifrig. Ehemalige Offiziere bezeugten sein kameradschaftliches Verhalten, seine Anhänglichkeit an die Truppe und seine hohe moralische Autorität, womit er die Fragwürdigkeiten des Soldatenlebens einschränkte und Entgleisungen verhinderte.[xliv]

Seit 1908 in Altbunzlau stationiert, wohnte der Erzherzog in Schloß Brandeis. Ab 01. November 1909 Rittmeister, kommandierte er jetzt die 5. Eskadron.[xlv] Es war an der Zeit, nach einer passenden Braut Ausschau zu halten. Im Sommer 1910 besuchte er seine Tante Maria Annunziata in Franzensbad. Sie war dort zur Kur, ihre Nichte, Prinzessin Zita von Bourbon von Parma wohnte bei ihr. Zita, Maria delle Grazie, Adelgunde, Michaela, Raphaela, Gabriela, Josephine, Antonie, Luise, Agnes, geboren am 9. Mai 1892 in Pianore (Italien), war das fünfte Kind aus der zweiten Ehe von Herzog Robert von Bourbon–Parma mit Maria Antonia, geb. Prinzessin von Portugal (Braganza). Es war eine große Familie. Aus Herzog Roberts erster Ehe stammten zwölf Kinder, aus seiner zweiten ebenfalls zwölf. Bei ihrer Erziehung legte man Wert auf Sprachen, Rechnen, Schreiben, Religion, gesellschaftliches Verhalten, Musik und Schauspielerisches, weckte ihren Sinn für die Armen und forderte von ihnen soziales Verhalten. Im September 1903 kam Zita, elfjährig, zusammen mit ihrer älteren Schwester Franziska in das Salesianerinnenkonvikt Zangberg in Oberbayern, wo sie bis zum Herbst 1908 verblieb. Die Erziehung war streng. Sehr intelligent, lernte sie leicht und gern und war eine starke kleine Persönlichkeit. In Zangberg pflegte man Sprachen, Geschichte, Kunstgeschichte und Musik, Zita spielte Klavier und Orgel. Ähnlich wie bei Erzherzog Carl war ihre Jugend vom Tod des Vaters (16.11.1907) gezeichnet. Nach einem Aufenthalt in Schwarzau (Herbst 1908–Februar 1909) war sie zur weiteren Erziehung in der Benediktinerinnenabtei S. Cécile (dem zur berühmten Abtei Solesmes gehörigen Frauenkloster) in Ryde (Insel Wight), wo ihre Großmutter mütterlicherseits, Königin Adelheid von Portugal, als Mère Adelaïde lebte. Sie vermittelte der Prinzessin, die auf eine politische Zukunft vorbereitet wurde, jene Perspektive der Welt, die es ihr ermöglichte, ein schweres Schicksal zu meistern. Da Zita das Klima auf Wight nicht vertrug, unterbrach sie ihren Aufenthalt und fuhr mit ihrer Cousine Erzherzogin Maria Annunziata, zur Kur nach Franzensbad. Dort, von Altbunzlau leicht erreichbar, besuchte Erzherzog Carl seine Tante. Nach S. Cécile zurückgekehrt, blieb Zita bis zum Herbst, wenige Wochen nach ihrem Abschied verstarb die Großmutter. Die sorgfältige Ausbildung wurde 1910 in Wien bei Erzherzogin Maria Therese abgeschlossen. Zita nahm Tanzunterricht und bereitete sich auf ihren Eintritt in die Gesellschaft, auf den Hofball von 1911, vor, [xlvi] auf dem sie wieder Erzherzog Carl traf. Dieser Begegnung folgten weitere. Die Entscheidung des Erzherzogs in seiner Wahl fiel während eines achttägigen Aufenthaltes im Mai 1911 in St. Jakob im Walde (Steiermark), wo Erzherzogin Maria Threresia ein Jagdhaus besaß. Sie hatte den Erzherzog zusammen mit ihren Nichten Franziska und Zita hatte zur Auerhahnjagd eingeladen.

Erzherzog Carl und Prinzessin Zita hatten vieles gemeinsam: Frömmigkeit, Pflichtbewußtsein, soziales Empfinden, den Sinn für die Armen, Warmherzigkeit und Humor. Erzherzog Carl verlobte sich mit Prinzessin Zita in Villa Pianore, dem Sommersitz der Familie Bourbon–Parma, am 13. Juni 1911. [xlvii]

Im Gegensatz zu habsburgischen Traditionen des 18. und 19. Jahrhunderts verehrte  Erzherzog Carl den Papst. Der Wiener Hof war seit dem frühen 18. Jahrhundert gegenüber Päpsten und Heiligem Stuhl sehr reserviert. Auch Kaiser Franz Joseph I. hielt höfliche Distanz. Erzherzog Carl ersuchte seine Braut, rasch, bevor aus Staatsräson schon irgendwelche Weisungen erlassen werden könnten, Papst Pius X. in Rom zu besuchen und um seinen Segen zur Hochzeit zu bitten. Herzogin Maria Antonia, wie sämtliche Mitglieder der Familien Bourbon–Parma und Braganza außerordentlich papsttreu, ging auf den Wunsch des künftigen Schwiegersohnes ein.

Während Erzherzog Carl bei der Krönung Georgs V. von Großbritannien und Irland in London Kaiser Franz Joseph vertrat,[xlviii] war Prinzessin Zita mit ihrer Mutter in Rom.[xlix] Die Papstaudienz gestaltetet sich für sie sensationell. Als sie dem Papst vorgestellt wurde, bezeichnete Pius X. Erzherzog Carl als künftigen Kaiser von Österreich. Herzogin Maria Antonia und ihre Tochter glaubten an ein Mißverständnis, sie berichtigten den Papst, Erzherzog Franz Ferdinand sei der Thronfolger. Doch Pius X. beharrte, Erzherzog Carl würde “[...]der direkte Nachfolger des Kaisers Franz Joseph[...]” werden. [l]

An dieser Stelle ist nachzutragen, daß schon 1895 während seines Aufenthaltes in Ödenburg die dortige Ursuline Mater Vincentia Fauland, dem Erzherzog ähnliches prophezeit hatte.[li]

Der Einfluß der Jesuiten am Wiener Hof war seit dem späten 18. Jahrhundert allmählich verschwunden. Nun lebte er über die Gattinnen der Thronfolger aus der Linie von Erzherzogs Karl Ludwig, Sophie, Herzogin von Hohenberg und Maria Josepha, Prinzessin von Sachsen, wieder auf.[lii] Der Wiener Jesuitenpater Karl Maria Graf Andlau–ein Jahr später hielt er beim Eucharistischen Kongreß in Wien die große Predigt über “Die heilige Eucharistie und das Haus Habsburg”–bereitete das zur Thronfolge bestimmte Paar, jeden getrennt, auf das Sakrament der Eheschließung vor. Am 21. Oktober 1911, fand in Schloß Schwarzau die Hochzeit von Erzherzog Carl  mit Prinzessin Zita statt. Sie war ein glanzvolles gesellschaftliches Ereignis, umrahmt  von der patriotischen Huldigung der Bevölkerung Neunkirchens und Payerbach–Reichenaus.[liii] In Schloß Schwarzau begegneten einander Mitglieder europäischer Königsgeschlechter und Fürstenfamilien, im jungen Brautpaar verbanden sich von neuem Habsburger, Bourbon–Parmas, Braganzas und Wettiner. Schon am Vorabend war der päpstliche Delegat Monsignore Gaetano Bisleti, langjähriger geistlicher Freund, in Schwarzau eingetroffen. Zur Hochzeit kamen Kaiser Franz Joseph und der Apostolische Nuntius von Wien, Alessandro Bavona.[liv] Unter den Festgästen fanden sich Familienmitglieder, der Großherzog von Luxemburg, Kronprinz Ruprecht von Bayern, sächsische Prinzen, die Fürsten Thurn–Taxis, Schönborn, Liechtenstein und Schwarzenberg mit ihren Gemahlinnen, Vertreter des Regiments Herzog von Lothringen, in dem der Bräutigam diente, und Hofstaatsmitglieder. Am Vorabend gab Herzogin Maria Antonia ein Familiendinner im Ludwigssaaal, es wurde auf Silber serviert. Bei der Brautsoiree spielte die Militärmusikkapelle des IR Nr. 67 unter der Leitung von Nico Dostal Musik aus Wien und aus den einzelnen Kronländern. Am Hochzeitstag nahmen alle Familienmitglieder um 7 Uhr früh an der heiligen Kommunionmesse teil. Um 11h traf Kaiser Franz Joseph ein, um ½ 12 Uhr fand die Trauung statt..[lv] Der Hochzeitszug repräsentierte die dynastische Verbindung der europäischen Königshäuser.[lvi] Bisleti hielt mit Assistenz von Prinz Dr. theol. Max von Sachsen die Trauung. Er verlas die von Papst Pius X. eigenhändig geschriebene Hochzeitsansprache, in der die Prophezeiung über Erzherzog Carl wiederholt wurde. Der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand war Hochzeitsgast. Dazu Erzbischof Waitz: “[...]Franz Ferdinand ließ sich dann diesen Brief selbst zeigen und es stimmte ihn nachdenklich. Ich habe mit Msgr. Bisletti (sic!), der später Kardinal wurde, mehrmals darüber gesprochen, und er hat diese Tatsache bestätigt[...].”[lvii] Das auf die Trauung folgende Hochzeitsdejeuner wurde im Theresiensaal des Schlosses serviert. Man speiste auf goldenen Tellern, Nico Dostal führte mit seiner Militärkapelle zum ersten Mal den < Zita–Walzer > auf.[lviii] Gegen 16 Uhr fuhr das junge Paar mit dem Auto und ohne Gefolge in die Villa Wartholz,  er wurde von der Dienerschaft und einer Deputation der Kurorte Payerbach und Reichenau erwartet. Man schoß Böller, abends war Reichenau illuminiert, von den Bergen leuchteten Höhenfeuer.[lix]In den Tagen darauf wallfahrtete die Neuvermählten nach Mariazell, dann unternahmen sie eine längere Reise durch die Länder der Monarchie, schließlich gingen sie nach Brandeis.[lx]

Nach einem halben Jahr wurde der Erzherzog nach Galizien abkommandiert. Im Sommer 1912 stürzte er während der Manöver bei Lemberg bei der Generalattacke der Kavallerietruppendivision im überfluteten Terrain vom Pferde. Trotz erlittener Gehirnerschütterung reiste er mit seiner Gemahlin zum Eucharistischen Kongreß nach Wien (12.–15. September 1912).[lxi]

Verschiedene Kommandanten attestierten dem Erzherzog hohes militärisches Talent, außerordentliches Pflichtbewußtsein und hervorragenden Einfluß auf die Truppe. Seine Qualifikation, mit jenen anderer Erzherzöge verglichen, dokumentiert die Objektivität der Kommandanten in der k.u.k. Armee. Sie beschrieben im allgemeinen ohne zu beschönigen. [lxii] Seit 1913 war der Erzherzog, damals Major und Bataillionskommandant im Infanterieregiment Nr. 39 “Frh Conrad von Hötzendorf”, Automobilfahrer.[lxiii]Die Generalstabsprüfung schloß seine militärische Ausbildung ab,[lxiv] mit 01. November 1912 war er in die Wiener Stiftskaserne versetzt.[lxv]

Vor der Geburt des ersten Kindes übersiedelten Erzherzog Carl und Erzherzogin Zita nach Schloß Hetzendorf, dem ihnen von Kaiser Franz Joseph zugewiesenen Wohnsitz. Am 20.November kam der Kronprinz, Erzherzog Otto, in der Villa Wartholz zur Welt, am 25. November 1912 wurde er getauft. [lxvi]

Der Mord von Sarajewo bestätigte die Prophezeiung Pius X. Erzherzog Carl war nun Thronfolger. Als er am 21. Juli 1914 zum Oberst im Husarenregiment Nr.1 außerordentlich befördert wurde,[lxvii] Conrad von Hötzendorf aber seinen Fronteinsatz ablehnte, befahl ihm der Kaiser , zum Armeeoberkommando abzugehen und die praktische Generalstabsausbildung zu absolvieren.

Der Konflikt Conrads mit Erzherzog Carl entwickelte sich unspektakulär. Der Chef des Generalstabs  arbeitete vollkommen selbständig, hielt seine Pläne geheim, informierte den Armeeoberkommandanten, Erzherzog Friedrich, nur verdeckt und sporadisch, die Militärkanzlei Seiner Majestät und den Kaiser selbst undurchsichtig. Den Thronfolger ignorierte er.[lxviii] Conrads Strategie der Offensive hatte bis Ende 1914 189.000 Soldaten und Offizieren das Leben gekostet.[lxix] Sein System, für alles und jedes die Generäle verantwortlich zu machen, sie zur Rechenschaft zu ziehen, abzusetzen oder zu versetzen, sorgte bereits in den ersten Monaten des Weltkrieges für Turbulenzen. Erzherzog Franz Ferdinand war Conrad Herr geworden.[lxx] Nun lebte an der Seite des Armeeoberkommandanten der Thronfolger Erzherzog Carl. Conrad vermied dessen praktische Generalstabsausbildung, übertrug ihm keine Aufgaben und keine führende Rolle : “[...]er war nur Zuseher, wie es S.M. Kaiser Franz Joseph mit den Worten “<damit er etwas lerne> befohlen hatte.[...]“[lxxi]Der intelligente und kritische Erzherzog war unbequem, er stand Conrad im Weg und sollte keinen genauen Einblick erhalten. Aber auch der Außenminister Baron Burián lehnte den Wunsch des Thronfolgers, in diplomatische Friedensbemühungen mit Italien und Rumänien einbezogen zu werden, ab.[lxxii] Ausschließlich mit Personalfragen befaßt, hatte er dem Kaiser Bericht zu erstatten. Erzherzog Carl verhielt sich abwartend. Er beobachtete nüchtern, exakt, loyal, arglos und nicht feindselig, schilderte Conrad als genial, die Truppen überfordernd, aufbrausend, ungeduldig und ohne Menschenkenntnis. Der “Chef” hätte von Kommißdienst keine Ahnung, regiere vom grünen Tisch, ohne die konkrete Situation an den Fronten zu kennen. Seine Fehlplanungen kosteten vielen das Leben.[lxxiii] Conrad war unreligiös , erfüllt von einer menschenverachtenden Pflichtethik. Seinem einfachen Wesen entgegengesetzt, lebte er mitten im Krieg in höfischem Stil, unvorbidlich.[lxxiv]Damals strebte seine Beziehung zu Gina Reinighaus dem Höhepunkt zu. Die Dame, Mutter von sechs Kindern, wurde von ihrem Gatten geschieden. Ihre Romanze mit Conrad, 1915 von der Ziviltrauung legalisiert, war vielen, nicht nur dem Thronfolger, ein Ärgernis.[lxxv]

Erzherzog Carl teilte dem Kaiser seine Eindrücke mit[lxxvi] und versuchte, ihn zu motivieren, das Armeeoberkommando selbst zu führen. Denn Erzherzog Friedrich war neben Conrad “die reinste Puppe”. Der Thronfolger schlug vor, Erzherzog Friedrich und Conrad zu ersetzen,[lxxvii] wozu sich Franz Joseph nicht entschließen konnte. In der Hocharistokratie äußerte man sich über Erzherzog Carl beinahe ablehnend, disqualifizierte ihn und stellte ihn als zu weich hin, “[...]von Erzherzog Franz Ferdinand von allem abseits gehalten, habe er sich nur um seinen militärischen Dienst kümmern dürfen [...].” Daher fehle ihm jede Kenntnis der Staatsgeschäfte, im Falle eines Ministerwechsels wüßte er nicht, was zu tun wäre.[lxxviii]

Um die Zeit beim Armeeoberkommando sinnvoll zu verwenden, übernahm  Erzherzog Carl Truppeninspektionen und Dekorationen der Mannschaften. Er  erwies sich als sehr mutig und kaltblütig und scheute nicht die vordersten Linien.[lxxix] Schließlich hatte Conrad die kritische Berichterstattung des Thronfolgers satt.”[...]Im Frühling 1915 wurde Kaiser Franz Joseph vorgestellt, daß er bejahrt sei[...].Es wurde suggeriert, der Kaiser möge [den Thronfolger] nach Wien nehmen und[...]in die Regierungsgeschäfte einweihen.[...]” Kaiser Franz Joseph richtete nun für Erzherzog Carl Einführungen durch Sektionschefs und Beamte verschiedener Ministerien ein. Außerdem  sollte der Thronfolger “[...]jeden Morgen zu ihm kommen, damit er in der Lage sei, alle Fragen mit ihm zu besprechen. [...][lxxx]“In Bälde jedoch bemerkte diese Gruppe Mißgünstiger, daß ihr Plan sich anders ausgewirkt hatte, als sie dachte. Erzherzog Carl war bald gründlich informiert, und machte Kaiser Franz Joseph auf verschiedene Mißstände aufmerksam. “[...]So sollte er auch von hier wieder weg.[...]“[lxxxi]

Erzherzog Friedrich hatte am 16. August 1915 beantragt, Erzherzog Carl zum Kommandanten des 18. Korps zu ernennen, was der Kaiser ablehnte. Marterer, das Spiel durchschauend, notierte, der Antrag sei nur eingebracht worden, “[...]um den Erzherzog irgendwo festzulegen, wo er die Tätigkeit des Armeeoberkommandanten weniger beobachten und auch in Wien keinen Einblick gewinnen könne[...].”[lxxxii] Im Februar 1916 kam es dann in Teschen zur Konfrontation mit Conrad. Kaiser Franz Joseph hatte diesmal einer Korpsverleihung zugestimmt und entschieden, daß der Thronfolger an die Südtirolfront ging[lxxxiii]. Conrad war dagegen und wollte sich nur dem ausdrücklichen Befehl Seiner Majestät fügen.[lxxxiv] Joseph Metzger, des Chef der Operationsabteilung, bewegte den Generalstabschef dann zum Einlenken, der Thronfolger erhielt das gewünschte Kommando.[lxxxv]

Kurz danach wurde Graf Leopold Berchtold sein Obersthofmeister (23.März 1916 ).[lxxxvi] und politischer Gesprächspartner, der ihn in die Außenpolitik einführte und beriet. Damals holte er sich der Thronfolger bereits jene Offiziere in seinen Stab, die ihm die Treue über den Tod hinaus hielten: Oberst Alfred von Waldstätten als Generalstabschef, Rittmeister Graf Joseph Hunyady als Ordonnanzoffizier, Hauptmann Karl Ottrubay als Generalstabsoffizier aus der Militärkanzlei Franz Josephs, den Flügeladjutanten Rudolf Brougier und Hauptmann Karl Werkmann, später Chef seiner Presseabteilung.[lxxxvii]

Die Südtiroloffensive sollte am 01. April 1916 beginnen. Conrad hielt sein Kriegsprogramm lange geheim und stellte sich vor, die Italiener in einer Zangenbewegung in der venetianischen Ebene von Südtirol und vom Isonzo aus einzuschließen und so den Krieg gegen Italien zu entscheiden. Er kannte das Terrain aus der Friedenszeit. Die Überprüfung seiner Strategie vor Ort hatte nicht stattgefunden, die Vorschläge von Kennern der Landschaft blieben unberücksichtigt. Das Wetter spielte nicht mit. Es schneite, meterhohe Schneewächten hinderten den Aufmarsch.[lxxxviii]

Erzherzog Carl, dessen XX. Korps (bestehend aus 4 Regimentern Kaiserjäger und 4 Infanterieregimentern, je 1 oberösterreichisches, salzburgisches, rumänisches und tschechisches) zur 11. Armee gehörte, kritisierte die praxisfremden Befehle.[lxxxix] Die Operation sei zu früh angesetzt worden. Trotzdem sollte man jetzt, da der Gegner noch unsicher war, gegen alle Schwierigkeiten losgehen. Das Armeeoberkommando wollte zuwarten und verspielte den Überraschungseffekt. Die Italiener konnten umdisponieren. Die Artillerieaufstellung widersprach den Plänen für die Infanterie. Das Armeeoberkommando veränderte das ursprüngliche Konzept von General Krauß–das Nebeneinander–Vorgehen der beiden Armeen–in einen Angriff von zwei Armeen hintereinander.[xc]Der Thronfolger kritisierte seine Bevorzugung gegenüber dem VIII. Korps. Er wollte den Pasubio, der von allen ortskundigen Offizieren als uneinnehmbare Festung bezeichnet wurde, umgehen, um Menschenleben zu erhalten. In der Militärkanzlei S.M. legte man auch diesen Vorschlag wie alle seiner Berichte zu den Akten.[xci]

Als der Angriff am 15. Mai begann, führte Erzherzog Carl mutig, vorbildlich, ohne sich zu schonen. Erzherzog  Eugen, der Kommandant der Südfront, hatte das gründlich koordinierte Zusammenwirken von Artillerie und Infanterie befohlen, geringe Verluste als Zeichen guter Führung hervorgehoben; der Thronfolger hatte für sein Korps diese Order verstärkt.”[...]Jeder Kommandant, der ohne triftigen Grund zu große Verluste hat, wird von mir unnachsichtig zur Verantwortung gezogen. Der Elan und der Offensivgeist unserer herrlichen Truppen ist ein so großer und die Wut gegen den tückischen Erbfeind eine so gesteigerte, daß von der Führung aus unbedingt darauf hingewirkt werden muß, daß die Truppe nicht selbst durch unaufhaltsames Vorwärtsstürmen schwere Verluste erleidet[...].”[xcii]Nach hervorragenden Anfangserfolgen kam der Angriff vor dem letzten Höhenzug in der Linie Pasubio–Arsiero–Asiago–Monte Meletta zum Stehen. Conrads Pläne mißachteten die felsige Landschaft mit steilen Höhen, tief eingeschnittenen Tälern und unzugänglichen Felswänden, die er als Hochplateau im Kopf hatte. Die Kämme der Berge waren in italienischer Hand.[xciii]Noch heute kritisieren  Militärhistoriker den Thronfolger, daß er am 27. Mai 1916 vor Asiago, wegen des scharfen italienischen Artilleriefeuers vor dem Einsatz der Infanterie die eigenen Artillerie abwartete.[xciv] Der Durchstoß mißlang, es konnte keine Straße in die Ebene gewonnen werden. Die Offensive kam zum Stillstand.

Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hatte die russische Brusilow–Offensive mit dem Echec von Luck (8–16.Juni 1916), die militärische Planung des AOK verändert.[xcv] Die Bedingung für deutsche Militärhilfe im Osten war die Aufstellung einer gemischten Armee unter dem Kommando des Thronfolgers mit einem deutschen Generalstabschef an dessen Seite. Kaiser Franz Joseph mußte diesem Vorschlag zustimmen. Am 01. Juli 1916 wurde Erzherzog Carl aus Südtirol abberufen. Im nächsten Halbjahr kämpfte er an den Fronten gegen Rußland und Rumänien in Galizien und  Siebenbürgen. Er wehrte sich gegen die Versuche der DOHL, ihn in ihre militärisch–politische Konzeption zu integrieren.[xcvi]

Die “Rangtour” des Thronfolgers war klar auf die Übernahme des AOK orientiert: vom Oberst bei Kriegsbeginn (21.07.1914), Oberstinhaber des Regiments Nr. 19 und Linienschiffskapitän (03.10. 1914) verlief sie über den Generalmajor und Kontreadmiral (14.07.1915 mit gleichzeitiger Enthebung vom AOK) zum Feldmarschalleutnant und Vizeadmiral als Kommandant des XX. Korps (12.03.1916). Am 01.08.1916 wurde Erzherzog Carl General der Kavallerie und Admiral, am 01.11.1916 Generaloberst und Großadmiral.[xcvii] Diesen militärischen Stationen entsprach auch die Dekoration mit den in- und ausländischen Orden, deren erster der Orden vom Goldenen Vlies war. Der Erzherzog hatte ihn am Anfang seiner militärischen Ausbildung erhalten.[xcviii] Nun war er nach dem Tode Kaiser Franz Josephs dessen Großmeister.

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[i] HHStA,  Familienurkunden 2987, 1901 Februar 6, Testament Kaiser Franz Josephs I. mit 2 Kodizillen vom 16. November 1913 und vom 29. Juni 1916. Diese Kodizille betrafen wirtschaftliche Verfügungen zugunsten von Herzogin Sophie von Hohenberg und  ihren Kindern, sowie für Otto Fürst zu Windisch–Graetz, den von der Enkelin Kaiser Franz Josephs, Elisabeth Marie, getrennten Gemahl.
[ii] UR, Nr. 187; Polzer–Hoditz, 387. Das Gespräch fand am 15. Juli 1917 im Park von Wartholz bei Reichenau statt.
  1. Dazu AZ  Nr. 328, 1-2: 1916 November 26. Vom Wechsel des Herrscherberufes.”[...] In einem Reiche, wie es die habsburgische Monarchie ist, in dem Reiche von zwei (oder sogar drei) Staaten und vielen Nationen fällt natürlich dem Monarchen eine besondere Aufgabe zu: in der Wirrsal der Dinge, die gegeneinander sich kehren und stellen, die letzte Einheit darzustellen und zu behaupten. Das ist nun eine Aufgabe, die nur durch eine nie aussetzende Beharrlichkeit, durch kluge Anpassung, durch stetes Vermitteln  zu leisten ist, welche Leistung sodann den Begriff der monarchischen Tugenden ist.[...]Seine Herrscherweisheit betätigt der Monarch heute ganz einheitlich in der Wahl seiner Ratgeber; freilich auch da nur, wo das parlamentarische Regime ihn an der Wahl nicht hindert.  Wir nennen den Monarchen weise, der die richtigen Männer an die richtige Stelle setzt, und halten dessen Herrschen als verfehlt, wenn er aus Vorurteil oder Bequemlichkeit die Untüchtigen und Talentlosen bevorzugt. Der natürliche Vorgang wäre auch hier, daß der Mechanismus der politischen Gestaltung die Auslese der Tüchtigen und Berufenen vollzieht, daß die staatliche Entwicklung gleichsam die Männer hervorbringt, die der Staat zu seinem Leben und Fortschreiten braucht [...] Erschaffer und Schöpfer der Staaten sind die Monarchen nimmer, und Größe können sie nur erringen, indem sie erkennen, daß sie der ersten Diener des Staates zu sein haben.[...]“
4 UR, Nr. 160.
5 Zur Beziehung Kaiser Franz Josephs I. mit den Päpsten: Engel – Janosi, Österreich und der Vatikan 1-2, passim und ders., Politische Korrespondenz der Päpste, 235-378 (Nr. 103-205); Kovács, Columbus, 128.
6 TS 2842.
7 TS 2842;  Eisenmenger, 168  -171.
8 Die Taufe spendete der Bischof von St. Pölten Joseph Matthäus Binder, Taufpate war Erzherzog Karl Ludwig.
9 TS 2777 – 2778: Persenbeug, 1887 August 27 : Eh Otto an Dr.Godfried Marschall.
10 TS 2772.
11 TS 3594 – 3595:” Die Mutter[...] war tief fromm und sehr wohlmeinend, aber ungeschickt in der Behandlung ihres Gemahls. Sie ertrug geduldig die Enttäuschungen des Lebens[...].”; TS 2812-2813.
12 Man lebte 1887- 1890 in Brünn; als der Erzherzog 1890- 1891 nach Enns versetzt wurde und dort kein passendes Quartier zur Verfügung war, blieben Mutter und Kind in Schloß Wartholz bei Reichenau an der Rax, dem Jagd- und Sommersitz von Erzherzog Karl Ludwig und seiner dritten Gemahlin Erzherzogin Maria Theresia, oder in deren Wiener Palais. Als Erzherzog Otto zur  Infanterie wechselte, zog die Familie nach  Prag auf den Hradschin (1891- 1893) und schließlich nach Ödenburg (1893 bis 1896). Erzherzog Otto war dorthin zum Husarenregiment Nr. 9, Graf Nadásdy versetzt, seine Familie logierte im Palais des Grafen Perjacsevics.
13 TS 3024 – 3025: Erzherzog Carl “[...]war sich von Jugend auf über die verderblichen Tendenzen der Freimaurerei, so wie sie die Enzyklika “Humanum genus ” des Papstes Leo XIII. zeichnet, bewußt. Er wußte, daß diese Organisation an der Wurzel jeden Kampfes gegen Gott und die Kirche zu finden sei, daß sie bestrebt ist, sich entweder in die Regierung zu infiltrieren, um ihren Zweck zu  erreichen oder aber vor Umsturz und Mord nicht zurückschreckt, um diejenigen zu beseitigen, die ihr im Wege stehen. Seine Eltern, seine Stief- Großmutter, Erzherzogin Marie – Therese,  hatten ihm dies mit Beispielen belegt, gelehrt. Die erschütternde Macht der Freimaurerei und die, die ihn am nächsten treffen mußte, war der tragische Tod des Kronprinzen Rudolph. Wie Familienmitglieder wußten, hatte dieser der Freimaurerei angehört, war bis zu einem recht hohen Grade hinaufgestiegen und hatte dann, als er nicht mehr mitgehen wollte, einen  schrecklichen Tod gefunden[...].” Zur ideologischen Orientierung der damaligen Maçonnerie (Grand Orient de Paris und den mit ihm verbundenen Logen): UR, Nrn. 51, 52, 53. vgl. dazu auch: Heise, Freimaurerei und Erster Weltkrieg, 21 – 92, bes. 81, 194.
14 Hamann, Erzherzog Albrecht, 62 – 77.
15 Es unterrichteten ihn der Schullehrer Tormassy,  Norbert Geggerle OP und sein  Hofmeister Dr. Holzlechner.
16 TS 2779 – 2785 (Auszug aus dem Tagebuch der Markgräfin Crescence Pallavicini).
17 KA, Militärische Qualifikationen, Erzherzog Otto.
 
[xviii]Mattencloit war Profeß des Deutschen Ritterordens vgl. TS 1001; 1525; 3949-3950.
[xix]TS 2784 (Auszug aus dem Tagebuch der Markgräfin Crescence Pallavicini).
[xx] Jahresbericht des kais. könig. Ober-Gymnasiums zu den Schotten in Wien am Schlussse des Schuljahres 1900/1901, Wien 1901, 76; Jahresbericht des kais. könig. Ober-Gymnasiums zu den Schotten in Wien am Schlussse des Schuljahres; 1901/02 ,Wien 1902, 50; Jahresbericht des kais. könig. Ober-Gymnasiums zu den Schotten in Wien am Schlussse des Schuljahres 1902/03, Wien 1903, 60; Zeugnisse im Archiv des Schottengymnasiums, Wien und in HHStA, NL Schager, fol. 91r- 92v. Ich bin Herrn Dr. Martin Czernin für die zeitraubende Recherche der Belege aus dem Archiv des Schottengymnasiums zu Dank verpflichtet; Jung, Schottengymnasium, 90 – 91.
[xxi] TS 637.
[xxii] TS 2823.
[xxiii] TS 8223–8224, 2797 : undatierter Brief [1903] von Eh Otto an Georg Graf Wallis [...] ” Zu ihrer Beruhigung kann ich Ihnen nur sagen, daß in der Angelegenheit unserer Feinde i c h sowohl wie meine Frau absolut nicht nachgeben, und ich glaube, daß nur noch im Anfang des Winters ein schwacher Versuch von Seite des  Allerhöchsten erfolgen wird, welcher von unserer Seite ganz decidiert abgeschlagen wird. Wir sind mit Ihnen und Ihrer Methode, den Carl zu erziehen, ganz und vollständig einverstanden und Ihnen stets dafür dankbar. Und solange wir Eltern existieren, wird die Erziehung unseres Sohnes nur so geschehen, wie wir es für gut  befinden.[...]
[xxiv] Conrad, Private Aufzeichnungen, 239; Redlich TB, 2, 161.
[xxv] KA, Militärische Qualifikationen, Eh Carl Franz Joseph.
[xxvi] TS 2785 – 2791 (Auszug aus dem Tagebuch der Markgräfin Cescence Pallavicini).
[xxvii] UR, Nr.1.
[xxviii] TS 2824.
[xxix] Polzer–Hoditz, 58.
[xxx] Miß Casey Bride, eine Irländerin, hatte den kindlichen Erzherzog in Englisch, Monsieur Matthieu in Französisch und Herr Tormassy jun. in Ungarisch unterrichtet. Musik betrieb mit ihm Herr  Schmalzhofer. TS 2786 -2789.
[xxxi] KA, Militärische Qualifikationen, Eh Karl Franz Joseph.
[xxxii] TS 2825.
[xxxiii] KA, Militärische Qualifikationen, Eh Karl Franz Joseph.
[xxxiv] TS 2801-2809 :”Rechtsstudium – Programm für Seine kaiserliche und königliche Hoheit den durchl. Herrn Erzherzog Karl Franz Joseph, März 1906; Polzer – Hoditz, 64: TS 2824.
[xxxv] TS 2829: anwesend waren sein Religionslehrer, Dr Godfried Marschall, damals schon Wiener Weihbischof, und alle anderen Lehrer.
[xxxvi] TS 2791; zur Benützung von Wartholz, das nach dem Tod von Erzherzog Karl Ludwig an den Familienfonds verkauft worden war: Privatarchiv Robert Pap, Payerbach: Bestandsvertrag zwischen dem Familienfonds und Erzherzog Otto für seine Familie vom 3. April 1899. Cur – Blatt von Reichenau 1901, September 15. ” Die Firmung des Erzherzogs Karl” Firmpate war Erzherzog Franz Ferdinand, der in Begleitung seines Bruders Karl Ferdinand nach Reichenau gekommen war. Nach der Pontifikalmesse um 11 Uhr in der Villa Wartholz firmte Weihbischof Dr. Marschall den Erzherzog.
[xxxvii] TS 4024.
[xxxviii] Polzer- Hoditz, 67; zur Beziehung Erzherzog Carls zu seinem Onkel,  Erzherzogthronfolger Franz Ferdinand: DAS, NL Waitz: Franz Joseph Waitz, Dr. Sigismund Waitz- Fürsterzbischof in schwerer Zeit. Sein Leben und Wirken nach seinen Aufzeichnungen und vorhandenem  Aktenmaterial, Kap. IX. Kapitel: Kaiser Karl. “[...] Erzherzog  Franz Ferdinand hatte großes Interesse an der Entwicklung seines Neffen. Graf Wallis erzählte mir, daß Erzherzog [Franz]Ferdinand gewünscht habe, seinen Neffen näher kennen zu lernen und so kam denn Erzherzog Karl begleitet von Graf Wallis nach Kanozis. Nach mehreren Tagen Aufenthalt dortselbst äußerte Erzherzog [Franz]Ferdinand volle Befriedigung über den Erfolg der Erziehung[...].”
[xxxix] TS 4205:”[...]Lorsque son frère Max est né, huit ans après lui, tout a changé pour Max, il n’etait question que de lui, et Charles mis de côté. Il n’avait cependant aucune jalousie pour son frère–au contraire, il le joyait et le gâtait. Mais un jour, lorsqu`il etait fiancé avenc ma soeur Zita, mon beau-frère Charles lui dit:<Si le Bon Dieu nous donne plusieurs enfants, il ne faudra faire aucune différence entre eux, car il est dûr pour le coeur d`un enfant de se sentir moins aimé par sa  mère.> Un fois aussi, l `Archiduc Charles dit à ma soeur Zita:< Il ne faut jamais dire aux enfants qui puisse leur faire de peine. Un  jour que ja sautais au cou de ma Mère, ell me dit: <Tu es un gentil petit bonhomme, mais bien laid !> Eh bien, cela m’ a fait de la peine, parce que je me dissais:<Comme je dois être horrible pour que même ma Mère me trouve laid.>[...]“
[xl] TS 2793-2796: Ansprache bei der Feier der ersten heiligen  Communion Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl am 19. November 1899 in der Kapelle der Villa Wartholz(Reichenau), gehalten von Dr. Godfried  Marschall, infulierter Prälat, Propst und Pfarrer der Votivkirche in Wien. In die traditionelle Verehrung der heiligen Eucharistie, der Muttergottes, des Schutzengels und des Namenspatrons fügte Marschall die Verehrung des Herzens Jesu, als Papst Leo XIII. am 25.Mai 1899 in der Enzyklika “Annum sacrum” zur Herz–Jesu–Verehrung aufgefordert hatte. Zur Tradition der habsburgischen Frömmigkeit: Kovács, Einflüsse geistlicher Ratgeber, 79-102; dies., Die Heiligen und heiligen Könige der frühen Habsburger,104-105. In den Jahren 1904 -1905 war Dr. Sigismund Waitz, dem der Erzherzog in Brixen begegnet war, zum Religionsunterricht nach Wien berufen worden. Vgl. DAS, NL Waitz ( wie unsere Anmerkung 39 oben) Kapitel IX. B, 4-5; Jablonka, Waitz, Bischof unter Kaiser und Hitler, 31.
[xli] Dazu Nemec, 130 (Register).
[xlii]TS 1000.
[xliii]TS 4024; DAS, NL Waitz, ( wie unsere Anm.38 oben) B, 5: “[...] er hatte auch ein großes Interesse klassische Stücke sich anzusehen und konnte dann lange Monologe hersagen, dazu die Schauspieler kopieren, so den Kainz, Sonnenthal, Baumeister, Lewinsky und andere, so daß man sich ins Theater versetzt fühlte. Er war von einer vornehmen Gesinnung und von sittlicher Empfindsamkeit[...].”
[xliv]KA, Militärische Qualifikationen, Eh Carl Franz Joseph.; TS 121; 582 ; TS 1995:”[...]Après leur marriage, ils sont allés à Brandeis, en Bohème, et en Janvier je suis allée les rejoindre. Et alors j’ai bien pu voir la vie de Charles au point de vue de ses relations avec les officiers er les soldats. Il s’ etait attaché personellement un jeune officier assez sot, simple, mais brave garcon, je lui ait dit:< Pourquoi as-tu pris spécialement celui-là, c’est à peine s’il peut écrire correctement une lettre.> Il m’a répondu: < C’est pour le prèserver. Il est unintelligent et naif, d’autres ont essayé de le pervertir, il est venu me le dire, et pour couper court à tout, je l’ai pris chez moi.> Parfois aussi, le soir, il restait assez longtemps au Club des officiers. Sachant que cela ne l’amusait pas beaucoup, je lui dis un soir:< Pourquoi reviens-tu si tard ? Demain tu seras obligé de te lever très tôt pour les manoeuvres.> Il me dit:< Je savais que ma prèsence m’ epêcherait certaines choses que je ne voulais pas qui se passent >[...].”
[xlv] TS 2826.
[xlvi] Cordfunke, 17 – 22.
[xlvii] TS 3598, 1003, falsch datiert: TS 2768; in TS 4206 der so häufig überlieferte Satz des Erzherzogs nach der kirchlichen Einsegnung der Verlobung ” Jetzt müssen wir uns gegenseitig in den Himmel helfen.” Ihre Schwester Franziska hatte ihn selbst gehört.
[xlviii] UR, Nr.2.
[xlix] UR, Nr.2; TS 2921.
[l] TS 2921-2922: Der Papst sagte, er sehe in ihm [Erzherzog Carl ” [...]den Lohn (la ricompensa), den der Himmel Österreich gebe für alle Treue der Kirche und zum Papste. Pius X. bemerkte schließlich, daß er ein geborener Österreicher sei [* 1835 im Trentino] und er deshalb noch mehr Freude darüber empfinde[...].” Rekonstruktion der Aussprüche Pius X: TS 2998 – 2999.
[li] Habacher, 25: Seinem Religionslehrer P. Geggerle sagte sie:”[...]Ja, man muß viel für ihn beten, denn er wird einmal Kaiser werden, und er wird viel leiden müssen. Er wird ein besonderer Angriffspunkt der Hölle sein[...].”
[lii] Archiv Schloß Artstetten, Wien, 1913 August 13: P. Andlau SJ an Herzogin Sophie von Hohenberg. Er ersucht, Eh Franz Ferdinand möge das im Auftrag Papst Pius X. eigens nach Österreich gekommene italienische Grafenpaar “[...] im eventuellen Interesse des Reiches und allerhöchsten Hauses[...] ”  empfangen. Das Thema der päpstlichen Nachricht wurde aus Sicherheitsgründen nicht  vermerkt. Die Brüder Sixtus und Xavier von Bourbon von Parma studierten im prominenten Jesuitenkolleg Stella Matutina (Feldkirch, Vorarlberg).
[liii] Reichspost, Nr. 488, 3: 1911 Oktober 20.
[liv] Alessandro Bavona, Tit EB von Farsaglia, war vom 11. Februar 1911 bis zu seinem Tod am 12. Jänner 1912 Apostolischer Nuntius in Wien.
[lv] TS 2832-2835, Fotokopie des handschriftlichen Papstbriefes: ASSPW, Causa Caroli de domo Austria, Tom. IX.
[lvi] Der Bräutigam wurde von seiner Mutter und von Kaiser Franz Joseph zum Altar geführt, die Braut von ihrer Mutter und von Don Jaime, dem Herzog von Madrid, dem Chef des Hauses Bourbon. Dann folgten Erzherzog Franz Ferdinand und König Friedrich August von Sachsen.
[lvii] DAS, NL Waitz , B IX, 5: Der betreffende Absatz in dem Papstbrief: TS 2834: “[...]E poichè per l’ altissima condizione sociale, in cui la  Provvidenza V I ha collocati, non sarebbe completa la domestica Vostra felicità, qualora fosse in angustie lo Stato et la Chiesa perseguitata, con questa benedizione V I auguriamo di vedere sempre l’impero in religiosa e civile floridezza[...].” Dagegen wird in der Biografie Ottos von Habsburg, 24,  behauptet, Bisleti habe aus Rücksicht auf Erzherzog Franz Ferdinand diese Passage ausgelassen.
[lviii] Reichspost, Nr. 488, 2-4: 1911 ,Oktober 21; Nr. 489, 1-5: 1911 Oktober 22.
[lix] Reichspost, , Nr. 489, 1-5: 1911 Oktober 22; TS 753.
[lx]TS 2830 – 2831; 4204 – 4205.
[lxi] TS 2831.
[lxii]KA, Militärische Qualifikationen: Erzherzog Maximilian, Erzherzog Eugen, Erzherzog Leopold Salvator und Erzherzog Karl (!) Franz Joseph :1908 war der Oberleutnant kriegsdiensttauglich, mit deutschen, französischen, italienischen, englischen, ungarischen Sprachkenntnissen und “[...]böhmisch zum Dienstgebrauch genügend, als gefestigter Charakter, mit lebhaftem Temperament, vorzüglichen Geistesgaben, mit außerordentlich rascher Auffassung [...]“beschrieben worden. “[...]Er besitzt richtiges Verständnis für taktische Situationen, ist ein sehr passionierter und sehr schneidiger Reiter mit sehr guten Pferdekenntnissen. Als Abrichter von Mann und Pferd selbständig sehr gut verwendbar, entspricht im Felddienst und als Patrouillenkommandant vorzüglich; im Schießwesen sehr gut bewandert und selbst ein sehr guter Schütze instruiert er darin ebenfalls sehr gut; führt einen Zug und eine Eskadron einzeln und im Verbande sehr gut.[...]“In der Rubrik “Eignung zur Erziehung, Leitung und Beurteilung der Untergebenen”: “[...]Musterhaft diensteifrig, wohlwollend und vom regstem Pflichtgefühl erfüllt, weiß er Manneszucht und militärischen Geist zu erhalten. Übt den besten Einfluß auf die Kameradschaft im Officierskorps aus. Ein ganz besonders intelligenter, verwendbarer, vorzüglicher Officier. Hat ausgesprochene Anhänglichkeit und Liebe für die Waffe, zeigt hervorragenden Fleiß und Ambition, ist ein initiativer, schneidig reitender Kavallerieoffizier, der in jeder Hinsicht vorzüglich entspricht. In der Rangtour.[...]“
[lxiii] KA, Militärische Qualifikationen: Erzherzog Karl Franz Joseph. Auch hier bescheinigte der Kommandant:”[...] ist trotz seiner kurzen Dienstleistung bei der Infanterie in der Führung eines Bataillions sicher und gewandt; faßt und beurteilt taktische Situationen rasch und richtig; ist von bemerkenswerter Entschlußfähigkeit; disponiert ruhig, sicher und bestimmt; hat wiederholt das Regiment kommandiert und hiebei sehr gut entsprochen; [...]ein militärisch ganz besonders hervorragend veranlagter, vorzüglicher Stabsoffizier, wird zweifellos binnen kürzester Zeit sich die hervorragende Eignung zum Regimentskommandanten erwerben; wird für eine Bevorzugung vorgeschlagen [...] Zum Regimentskommandanten hervorragend geeignet.[...]“
[lxiv] KA, Militärische Qualifikationen: Erzherzog Karl Franz Joseph  vermerken für 1914, daß der Erzherzog  ein “vorzüglicher Stabsoffizier” sei, was die Generalstabsprüfung voraussetzt. TS 2827. seit 1. Mai 1914 Oberstleutnant und Kommandant des Ersten Feldbataillons.
[lxv] TS 2826.
[lxvi] Pfarrarchiv Reichenau, Taufbuch T.I, fol. 128; die Taufe am 25. November 1912 hielt um 14 Uhr der Wiener Kardinalerzbischof Franz Nagl. Der Pate, Kaiser Franz Joseph wurde durch Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Maria Antonia von Bourbon von Parma vertreten. vgl. Pfarrchronik 1912.
[lxvii] HHSTA, NL Schager – Eckartsau, fol. 159 Ernennungsdekret von Bad Ischl, 1914  Juli 21. fol. 162-163; KA. Militärische Qualifikationen, Erzherzog Karl Franz Joseph 1914 und TS 2827 mit fehlerhaftem Datum (25.7.1914).
[lxviii] Pantenius, 2, 636 – 638; dazu auch Broucek, Glaise, 1, 326-327; Pantenius, 2, 637 äußerte unbelegt: “[...] Ehg. Karl war 1914 dem persönlichen Stabe des Armeeoberkommandanten als Ordonanzoffizier (sic!) zugeteilt, zeichnete sich dort aber weder durch Interesse noch durch Fleiß aus und schied im Sommer 1915 vom AOK[...].” Er stützt sich mit falscher Seitenangabe auf Conrad, Private Aufzeichnungen, ohne diese nach Kriegsende entstandenen Reminiszenzen in frage zu stellen und in Conrad, Dienstzeit, IV, zu kontrollieren. Vgl. StLA, NL Herberstein TB, 100-101 unter dem 8. XI. 1914: “[...] Es scheint [...], daß es mit Erzherzog und Conrad gar nicht gut geht. Conrad nimmt viel zu wenig Rücksicht auf den hohen Herrn. Er (Conrad) könnte ja trotzdem machen, was er will, aber die dehors müßten doch gewahrt bleiben! So stellt er den Erzherzog bei jeder Gelegenheit bloß und der Armeeoberkommandant wird gerade nur über das unterrichtet, was Conrad für gut findet, ihm mitzuteilen. Also noch immer das unmögliche Verhältnis wie früher, nur noch stärker zum Ausdruck gebracht[...].”
[lxix] Rauchensteiner, 188:”[...] über 490.000 waren verwundet worden und an die 278.000 waren kriegsgefangen oder vermißt. Zusammen war das eine runde Million Menschen[...].”
[lxx] UR, Nr. 3.
[lxxi] Conrad, Private Aufzeichnungen 262- 263; Conrad, Dienstzeit IV, 107-108 und 172 über die Verwendung des Thronfolgers zur Beginn des Weltkrieges. Laut KA, Militärische Qualifikationen, Erzherzog Carl (Karl) Franz Joseph 1907-1914 beherrschte er ungarisch vollkommen in Wort und Schrift. Dazu: Hoyer, 9; Conrad, Dienstzeit, 5, 38; UR, Nr. 3; StLA NL Herberstein TB, 2:” [...]Die rücksichtslose Gewaltnatur Conrad`s nützte auch schon jetzt [Ende Juli 1914] unterstützt von seinen engeren Mitarbeitern die Schwäche seines hohen Vorgesetzten weidlich aus, indem er dem Erzherzog [Friedrich] nur sehr wenig Einblick in die so wichtigen Vorarbeiten gewährte[...]” Ebd. 28: Erzherzog Friedrich ” [...]merkt es anscheinend gar nicht, daß er ganz ausgeschaltet wird und die wichtigsten Dinge erst hinterher erfährt![...]“
[lxxii] UR, Nr. 3;Hoyer, 12; anders Polzer-Hoditz, 308-311; vgl. auch UR Nr. 13. Zum Kriegseintritt Italiens: Caira–Thalmann , passim.
[lxxiii] UR, Nr.3, sehr ausführlich auch UR, Nr. 213.
[lxxiv] Hoyer, 14-15, über die Zustände im Armeeoberkommando, in dem ähnlich dem Manöverzelt Kaiser Franz Josephs höfischer Prunkt herrschte. Man speiste bei Kerzenschein auf Silber, Kammerdiener servierten, Damen kamen zu Besuch, was angesichts der Kriegsverhältnisse provozierend wirken mußte.
[lxxv] Dazu Conrad, Private Aufzeichnungen, passim und UR, Nr. 21, Nr. 213.
[lxxvi] Conrad, Dienstzeit, IV, 671: 05.09.1914, Bolfras an Conrad: zur kritischen Berichterstattung von Eh Carl:”[...]Ich vermochte natürlich nicht, Seiner Majestät irgend etwas zur Aufklärung des Sachverhaltes zu melden, und bin nur tief traurig darüber, daß wir so viele Generale unverwundet aus anderen Gründen verlieren[...];” UR, Nr. 3.
[lxxvii]Hantsch,  2, 777; StLA, NL Herberstein TB, 101-102 (vom 8.11.1914), daß der Thronfolger in Wien gewesen sei, um “[...]S.M. Bericht zu  erstatten [...]“.Die Enthebung Conrads war in Erwägung  gezogen worden. Kaiser Franz Joseph wollte diesen Entschluß nicht fassen, da Eh Friedrich als Oberkommandant keinen diesbezüglichen Antrag gestellt hatte. Die Intervention von Erzherzog Carl verlief ergebnislos. Erzherzog [Friedrich] war  viel zu schwach , die Enthebung Conrads zu beantragen. [...] Auf diese Art ging die schönste Gelegenheit verloren, die jetzigen unmöglichen Verhältnisse im  AOK zu ändern und eine einheitliche Befehlsgebung [Oberste Kriegsleitung !]einzuführen.[...]“
[lxxviii] StLA, NL Herberstein, TB: 78, 93, 108–109, 111–115, 118, 120, 122, 126–127, 129, 131; Hantsch, 2, 755–758, 762–763.
[lxxix] TS 2835; AGL, Lobkowicz, Reminiszenzen II.
[lxxx] TS 3150 ; Hoyer, 15-16; am 25. Juli 1915 erhielt der Erzherzogthronfolger die  allerhöchsten Direktiven für seine weitere Diensttätigkeit: “[...]Danach sollte er fallweise Reisen an die Front aber auch zum  Armeeoberkommando unternehmen, von der Militärkanzlei über alle wichtigen militärischen Angelegenheiten unterrichtet werden und den Kaiser bei der Unterfertigung von Resolutionen militärischer Natur unterstützen[...].” Dazu auch: Seidler, 3-4.
[lxxxi]TS 3150; Hantsch, 2, 757.
[lxxxii] Nach Hoyer, 17.
[lxxxiii]TS 3151: ” [...]Abermals wurde Kaiser Franz Joseph vorgestellt, die Armee sei sehr beunruhigt, daß der junge Erzherzog – Thronfolger im Hinterland säße, während die Soldaten kämpfend an der Front stünden. Die Armee wünsche [dem Thronfolger] möge ein Kommando anvertraut werden. Seinem Rang entsprechend käme nur ein Korps in Betracht.[...]“
[lxxxiv] Zitiert nach Hoyer, 19.
[lxxxv] Hoyer, 19-20.
[lxxxvi] Hantsch, 2, 765.Joseph Redlich sah darin ein Abschieben des ehemaligen Außenministers in ein Lakaienverhältnis.: Redlich TB, 2, 161.
[lxxxvii] StLA, NL Herberstein, TB, 93 – 94( = 27.10.1914); Hoyer, 19- 20; TS 2509.
[lxxxviii] Hoyer, 20 – 24; Pantenius, 2, 866 – 871.
[lxxxix] Bericht an die Militärkanzlei Kaiser Franz Josephs vom 24. April 1916. Vgl. Anm. 91 unten.
[xc]Etschmann, 31-33.
[xci] Hoyer, 23-26 (Abschrift des Berichtes vom 24. April 1916 an Bolfras); Pantenius, 2, 868-883 verzichtet auf  diesen  Bericht.
[xcii] KA, Neue Feldakten, Akten des XX. Korps, Karton Befehl des XX. Korps, Op. Nr. 994 (Eigenhändiges Konzept des Thronfolgers), komplett transkribiert: AGL, Broucek, Kaiser Karl von Österreich als Inhaber des allerhöchsten Oberbefehls der k.u.k. gesamten bewaffneten Macht, 53a, Anm.125 (Manuskript).[Gutachten für den Beatifikationsprozeß Causa Caroli a Domo Austrie].
[xciii]Etschmann, 33.
[xciv] Rauchensteiner, 340-343.
[xcv] Etschmann, 33; Pantenius, 2, 915-989; Artel,46-74.
[xcvi] Vgl. unsere Kapitel I und II.
[xcvii] KA, Militärische Qualifikationen Erzherzog Karl Franz Joseph; HHStA, NL Schager – Eckartsau, fol.100r- 221r: Diverse Ernennungs- und Verleihungsdekrete.
[xcviii] HHStA, NL Schager–Eckartsau, Ernennungsdekret vom 11. April 1905 mit Beilage des Ordenskanzlers Franz Ritter Schiessl von Perstorff, worin er ersucht, die Übersendung der großen Colane und der Statuten des Ordens zu bestätigen.