KAPITEL II – DAS ENDE KAISER FRANZ JOSEPHS I.

Zur selben Zeit, als der Thronfolger in Chodorow seine Sachen packte, schrieb Herr von Tschirschky, deutscher Botschafter in Wien, einen umfangreichen Bericht für den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Tschirschkys Beobachtungen über Österreich–Ungarn unterschieden sich kaum von der Beurteilung der Lage durch Erzherzog Carl. Auch Tschirschky fragte sich, wie lange die Donaumonarchie noch militärisch und wirtschaftlich fähig sei, Krieg zu führen. Er kannte die Zustände beim AOK in Teschen und kritisierte das Versagen der Führung. Pessimismus und Hunger der Bevölkerung Österreichs ließen eine revolutionäre Lösung der Probleme befürchten. Überdies war das Band zwischen Österreich und Ungarn so brüchig, daß Ungarn kein Brotgetreide mehr nach Österreich lieferte und Deutschland darum ersucht wurde. Die Ungarn waren über Österreich verärgert. Ihre Regimenter waren in Böhmen stationiert, um dort für Ruhe zu sorgen, anstatt die eigenen Grenzen zu schützen. Das Ansehen des Kaisers war in der ungarischen Öffentlichkeit sehr gesunken.

Auch der schlechte Zustand der österreichischen Staatsfinanzen , denen Deutschland monatlich 100 Millionen Mark zuschoß, alarmierte. Von Tschirschky sah das Gespenst des Staatsbankrotts vor der Türe der Monarchie, er befürchtete das Versagen der “bisher unbestreitbar bewiesenen Elastizität” des Bundesgenossen. “[...]Man ist sich hier außer an den leitenden Stellen, durchweg völlig über die Unhaltbarkeit der Lage klar und schreit geradezu nach deutscher Hülfe(!), die den Staatswagen aus dem Schlamme ziehen soll[...].”[i] Der Botschafter machte den Österreichischen Ministerpräsidenten, Graf Karl von Stürgkh und den k.u.k. Außenminister, Baron Burián, als ” reinen Threoretiker”, für das Übel verantwortlich. Burián kenne weder Österreich noch Ungarn, das er nur durch die Brille seines Ministerpräsidenten, des Grafen Tisza, betrachte. Tschischky schlug vor, den Thronfolger ins Deutsche Hauptquartier nach Pleß einzuladen, um ihn auf die drohenden Gefahren hinzuweisen. Ähnlich einem Bankier, der seinen Gläubiger auf weitere Kreditwürdigkeit prüfte, nannte er Erherzog Eugen als neuen Österreichischen Ministerpräsidenten.

Tags darauf korrespondierte Bethmann Hollweg mit Hindenburg, der die Militärkonvention und die politische Ausgestaltung des Bundesverhältnisses mit Österreich–Ungarn forderte. Hindenburg wünschte die militärische und wirtschaftliche Fusion mit dem Bündnispartner, was der Reichskanzler ablehnte. Man könnte in der k.u.k. Armee nicht ausschließlich die deutsche Armeesprache einführen. Das würde nur ungarische Tendenzen, sich von der gemeinsamen Armee zu lösen, fördern. Der alte Kaiser blockiere die so dringend notwendige Reform der Gesamtmonarchie. Er ließe auch den Thronfolger nicht arbeiten. Bethmann Hollweg zitierte vermutlich Herberstein, als er schrieb, der Kaiser habe sich kürzlich “[...]einer Anregung des Erzherzogs Friedrich, den Thronfolger nach Wien kommen zu lassen, mit den Worten widersetzt[...]:<Er soll nur bleiben, wo er ist>[...].” Bethmann Hollweg gab dem Bardolff –Programm zur Föderalisierung der Monarchie keine Chance, er diagnostizierte den “Auflösungsprozess unseres Bundesgenossen”. Deutschland müsse die Donaumonarchie im Dualismus stabilisieren, die Vormachtstellung der deutschen und ungarischen Elemente erhalten. Man dürfe keinen zu starken Druck ausüben, schrieb er an Hindenburg, sonst erkläre sich Österreich–Ungarn  zur Fortsetzung des Krieges außerstande und ziehe “[...]einen Separatfrieden mit unseren Feinden auch mit erheblichen Opfern, einer Unterstellung unter die deutsche Vormundschaft[...]” vor.[ii]

Knapper wandte sich der Reichskanzler an Kaiser Wilhelm II., den Bericht Tschirschkys beilegend. Bethmann Hollweg ersuchte, den Thronfolger nach Pleß einzuladen und ihm die Umbesetzungen von Stürgkh und Burián nahezulegen. Anstelle Buriáns brachte Bethmann Hollweg den ungarischen Hofmarschall Graf Szecsen, ehemals Botschafter in Rom und Paris, ins Gespräch.[iii] Kaiser Wilhelm antwortete postwendend:”[...]Was Österreich betrifft–Tschirschky`s Bericht–so muß ich mir das sehr genau überlegen, denn die Aufgabe, die Ew[ure]. Exz[ellenz] mir da stellen, die eigentlich der Botschafter zu lösen hätte, ist gleichbedeutend mit Uebernahme des Oberkommandos, nicht nur über Oesterreichs Heer, sondern über seine Regierung und Politik und das ist für meine belasteten Schultern etwas reichlich[...].”[iv]

Das österreichische Herrenhaus verstärkte diese Tendenzen. Mitte Oktober 1916 wandte sich Fürst Maximilian Egon von Fürstenberg–er war als böhmischer und schwäbischer Großgrundbesitzer Vizepräsident des österreichischen und Mitglied preußischen Herrenhauses und Offizier in beiden Armeen–an Kaiser Wilhelm und Hindenburg. Von Herrenhausmitgliedern dazu beauftragt, ersuchte er, “[...]bei der Ordnung der verfahrenen Zustände der Monarchie, soweit dies noch möglich sei, und der Bildung einer starken Regierung mitzuhelfen[...].”[v]

Nicht allein die Deutschen, in erster Linie an ihrem Gewinn interessiert, zerbrachen sich ihre Köpfe über Österreich–Ungarn. Auch der viel kritisierte k.u.k. Außenminister beobachtete die Situation, er schlief nicht. Seit dem Wendepunkt des Krieges konzipierte Burián Friedenspläne, hoffend, nach dem “Abklingen der Offensiven” offene Ohren beim Kaiser zu finden. Doch jetzt war der Krieg mit Rumänien ausgebrochen, und erst als sich positive Aspekte für Österreich–Ungarn abzeichneten, trug er dem Kaiser seine Pläne vor. Nachdem allgemein gehaltene Friedensbereitwilligkeit keine Wirkung auf die Feinde hätte, konnte man nur dann ein konkretes Friedensangebot stellen, würde eine günstige Situation auf den Kriegsschauplätzen nicht zum Schluß führen, “[...]als käme der Friedensschritt aus einer militärischen Notlage[...].”[vi]

Bei sehr schönem Wetter fand am Namenstag Kaiser Franz Josephs, dem 4. Oktober 1916, um 10 Uhr 15 in Payerbach–Reichenau eine Feldmesse für die Ersatzbatterie des Gerbirgsartillerieregiments Nr. 2 (GbAR 2) statt: Alles war” sehr stimmungsvoll”. Nach der Defilierung sprach der Thronfolger die Offiziere, dann die dekorierten Mannschaften.[vii] Am selben Nachmittag erhielt er den Befehl, mit 12. Oktober das Kommando über 4 Armeen (9., 1., 7. und 3. Armee) in Nagyvárad (Großwardein, rum.Oradea) zu übernehmen, “somit die ungarische Front gegen Rumänien und Rußland” zu befehligen. Aus seiner Berufung nach Wien war also wieder nichts geworden und Seeckt blieb an seiner Seite. Faktisch war der Urlaub jetzt zu Ende. Denn am folgenden Tag überbrachte ihm ein Kurier die Einladung Kaiser Wilhelms II. nach Pleß. Kaiser Franz Joseph rechnete mit diesem Besuch des Thronfolgers,[viii] der sehr gründlich vorbereitet wurde. Nach der Audienz in Schönbrunn, nach Konsultationen von Außenminister, Kriegsminister,[ix] Österreichischem Ministerpräsidenten und Chef der Militärkanzlei bestieg der Erzherzog am Abend des 08. Oktobers auf dem Nordbahnhof den Hofzug. Man fuhr über Nacht, war um 07 Uhr früh in Teschen, um 09 Uhr kam Conrad. Das Gespräch dauerte bis 10 Uhr 30, um 10 Uhr 45 rollten die Waggons aus, um 12 Uhr 30 fuhr man in Dzieditz ein, wo drei deutsche Generalstabsoffiziere warteten. Nach 20 Minuten Autofahrt erreichten sie Schloß Pleß. Kaiser Wilhelm empfing den Erzherzog Thronfolger sehr herzlich. An der folgenden “Frühstückstafel nahmen außer dem beiderseitigen Gefolge auch Hindenburg und Ludendorff ” teil.[x] Das Déjeuner dauerte bis 15 Uhr. In der halben Stunde bis zur Abfahrt in das Jagdhaus Rothholz (?) führte Kaiser Wilhelm ein Vorgespräch mit Berchtold über die “Polnische Frage”.[xi]

Die Berichte Erzherzog Carls an Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelms an Bethmannn Hollweg über die Gespräche in Rothholz (?) dokumentieren die verschiedenen politischen Prärogativen Deutschlands und Österreich–Ungarns.[xii]

Während Erzherzog Carl den Buriánschen Friedensplan forcieren wollte, waren jetzt nach der Niederschlagung der Brussilow Offensive die Militärkonvention mit Österreich –Ungarn und die Polenfrage die vordringlichen Themen Kaiser Wilhelms. Kongreßpolen und “Russisch–Polen”, von den Zentralmächten besetzt, sollten entweder anteilig zu Deutschland und zu Österreich–Ungarn kommen, oder mit Kongreßpolen vereinigte werden. Was die Erneuerung des 1772–1795 zerteilten Königreiches Polen und seine Integration in ein westeuropäisches Föderalismuskonzept bedeutete.[xiii] Burián wollte diese Fragen nach Kriegsende lösen, während Hindenburg und Ludendorff sie jetzt abschließen wollten. Es sollte mit allen Sicherheitsgarantien für Deutschland ein autonomer polnischer Staat entstehen.[xiv] Kaiser Wilhelm II erwartete sich davon eine Million Rekruten, “[...]die gutes Soldatenmaterial (!) abgeben werden und durch Militärkonventionen an die Mittelmächte gebunden seien.” [Sie könnten]“im Laufe des Winters nach Bereitstellung der Cadres ausgebildet werden und im nächsten Frühjahr eine mit Freuden zu begrüssende Verstärkung unserer Ostfront bedeuten[...].”[xv]Das Ringen “um die russischen Sandwüsten” endete im Jagdhaus Rothholz(?) unentschieden.[xvi]Der Bericht des Erzherzogs an Kaiser Franz Joseph verschwieg seine Reaktionen auf die Versuche Wilhelms II., sich in die österreichisch–ungarische Politik zu mischen.[xvii] Er selbst war ganz auf der Linie Kaiser Franz Josephs geblieben.

Am frühen Abend traf man in Pleß ein. Nach der Abendtafel verabschiedete sich der Thronfolger, bestieg mit Gefolge in Dzieditz den Hofzug (Abfahrt 23 Uhr) und arbeitete bis Mitternacht an seinem Bericht für Kaiser Franz Joseph. Am Morgen des 10. Oktobers 1916 war er in Audienz, dann fuhr er weiter nach Reichenau.[xviii]

Dort liefen bereits die Vorbereitungen für seinen militärischen Einsatz in Siebenbürgen. Der Krieg gegen Rumänien war erfolgreich. General Mackensen hatte auch “ohne Seeckt” glänzende Siege erfochten. Als der Erzherzog in Nagyvárad eintraf, um seine Heeresfront zu übernehmen, bezog er seinen Standort im dortigen Bischofspalais.[xix] Er war viel zu weit hinter der Front. Am selben Tag (13. Oktober) kam Graf Tisza zu Besuch und das Gespräch bewegte sich wieder um die Versetzung des Thronfolgers nach Wien.[xx] Bis zur Verlegung seines Hauptquartiers nach Kolosvár (24. Oktober 1916), füllten Frontinspektionen, Operationsplanungen, Begegnungen mit deutschen und österreichischen Generälen und die Kontakte mit der Zivilbevölkerung der vom Krieg betroffenen Städte und Dörfer die Tage des Erzherzogs. Am 15. Oktober fand eine Besprechung mit Falkenhayn, dem Oberbefehlshaber der 9. Armee, statt, der die rumänischen Armeen bei Hermannstadt ( Sibiu) und Kronstadt (Brasov) geschlagen hatte. Die 4. rumänische Armee wurde aus Siebenbürgen abgedrängt.[xxi] Diesen Koalitionskrieg krönte der Einzug Mackensens in Bukarest (6. Dezember 1916).[xxii]

Am 21. Oktober erreichte nach 20–stündiger Reise[xxiii] Erzherzog Carl in Kocsard die telephonische Nachricht von der Ermordung des Grafen Stürgkh. Der Thronfolger war sehr erschüttert und beurteilte das Ereignis als “[...]Ausdruck tiefer Mißstimmung im Lande, Beginn einer revolutionären Strömung. Er werde S.M. schreiben, um ihm zu sagen, daß jetzt vielleicht der Moment gekommen wäre, wo er nach Wien kommen sollte, um dem Kaiser beizustehen und ihm seine Sorgen zu erleichtern[...].”[xxiv]

Nach dem Mord von Sarajewo zeigte sich der Radikalismus jetzt im Zentrum Reiches. Deutscher Nationalismus und russischer Bolschewismus, Bewegungen, aus Norden und Osten bedrohten die Donaumonarchie. Sie trafen in Wien aufeinander, als im Hotel Meissl & Schadn (Wien I., Neuer Markt 4) Dr. Friedrich Adler um ½ 3 Uhr nachmittags fast springend an den Tisch Stürgkhs herantrat und”[...]aus einer Entfernung von 1 ½ m aus einer Browningpistole rasch nacheinander vier Schüsse gegen den Kopf des Ministerpräsidenten” feuerte. “Dieser sank sofort lautlos zu Boden. Der Attentäter suchte mit vorgehaltener Waffe den Ausgang zu gewinnen, wurde jedoch vom Rittmeister Baron [Franz ] Aehrenthal, dem Grafen [Friedrich] Toggenburg und[...]deutschen Offizieren verfolgt. Bei der Saaltüre stellte sich ihm auch Rittmeister Karl Führich mit gezücktem Säbel entgegen. Der Zahlkellner des Speisesaales, Gustav Fruhmann, faßte ihn an der Hand, welche die Waffe hielt, und drückte sie nieder, hiebei entlud sich die Waffe und der abgegebene Schuß traf den Rittmeister Baron Aehrenthal am rechten Unterschenkel [...] Der Arzt der bald darnach eingelangten freiwilligen Rettungsgesellschaft konnte bei Seiner Exzellenz dem Herrn Ministerpräsidenten nun mehr den erfolgten Eintritt des Todes konstatieren,[...]” so der offizielle Polizeibericht.[xxv]. Im Verhör durch den damaligen Polizeirat, Dr. Johann Schober, gab Friedrich Adler zu Protokoll, bei der Tat:”[...]Nieder mit dem Absolutismus! Wir wollen den Frieden![...]” gerufen zu haben. Auf die Frage Schobers, was ihm denn eingefallen sei, antwortete er:”[...]< Eingefallen? >Können Sie sich nicht in mein Inneres hineindenken ? Wo alles in unserer Partei so feige ist und niemand Ideale hat? Ich habe mein Leben in die Schanze geschlagen, um den Zuständen ein Ende zu machen[...].Ich habe schon lange an die Notwendigkeit, irgend eine befreiende Tat zu verüben, gedacht. Unsere Zustände waren eine Schande! Diese Zensur und dieser Widerstand gegen das Parlament![....]In der letzten Zeit reizte mich der Widerstand des Ministerpräsidenten gegen die Einberufung des Parlamentes , und das Verbot der für Sonntag, den 22. Oktober 1916 anberaumten Versammlung[xxvi] hat den letzten Anstoß gegeben.[...]“[xxvii]

Friedrich Adler, revoltierte gegen das System Stürgkhs, mit dem Notstandsparagraphen 14 zu regieren. Er brachte die österreichische Sozialdemokratie in nicht geringe Verlegenheit. Sein Vater, Dr. Viktor Adler, durchaus kein < schwarz – gelber Patriot > betrachtete das alte Österreich längst als überflüssig, als < Misthaufen > , das Europa behellige. Es trage die < Krankheitssymptome oder vielmehr die Leichenflecken des Kadavers > an sich.[xxviii] Trotzdem führte er die Partei an die politische und militärische Situation des Landes sehr angepaßt. Friedrich Adler wollte die unbedingten Antikriegsbeschlüsse sozialdemokratischer Parteien Europas, die bei den Zimmerwalder Kongressen in der Schweiz gefaßt worden waren, verwirklichen.[xxix] Viktor Adler und Engelbert Pernersdorfer lehnten sie ab, weil sie den Zusammenbruch des Proletariats und seiner Organisationen durch Konflikte mit der Regierung nicht riskieren wollten.[xxx] Die Konferenz der deutschen Sozialdemokratie forderte, Österreichs Friedensbereitschaft klar auszusprechen: es wolle nur sein Territorium verteidigen, keineswegs strebe es nach Eroberungen. Es sei bereit, an der Errichtung eines neuen europäischen Völkerrechtes mitzuwirken und gewillt, sich in eine neue europäische Gemeinsamkeit einzuordnen.[xxxi]

Stürgkh, hatte mit der Regierung ohne Reichsrat[xxxii] der Ansicht Kaiser Franz Josephs, Österreich sei konstitutionell nicht zu regieren, entsprochen. [xxxiii] Seit 1915 im Kreuzfeuer innenpolitischer Kritik und in die Schußlinie des Armeeoberkommandos hatte er neben den Nationalliberalen, Deutschnationalen und Sozialdemokraten auch den deutschen Botschafter gegen sich. Stürgkhs Aussagen im Hochverrats–Prozeß gegen Karel Kramar zugunsten des Angeklagten und seine Unfähigkeit, die Versorgung der Zivilbevölkerung in den Griff zu bekommen, begründeten die Forderungen nach seiner Demission.[xxxiv] Nun war sie gewaltsam durchgesetzt worden.

Der Thronfolger sah die zunehmende Beunruhigung der Bevölkerung, das Ansteigen revolutionärer Gesinnung. Wasveranlaßte ihn, seinen letzten Brief an Kaiser Franz Joseph, in dem er die Rückberufung nach Wien vorschlug, doch wieder zurückzuhalten? War es der Mißerfolg seiner seit Juli unternommenen Versuche, vom Kommando mit den Deutschen loszukommen? Oder war es die geänderte militärische Situation im Krieg gegen Rumänien nach der Einnahme von Konstanza, “woran er große Hoffnungen für den weiteren günstigen Fortgang der Operationen knüpfte”?[xxxv] Die Konflikte des Erzherzogs mit Seeckt[xxxvi] inspirierten Ludendorff, Oberstleutnant Maximilian von Stoltzenberg zum Verbindungsoffizier der DOHL mit dem  Thronfolger zu ernennen.[xxxvii] Bei der Sensibilität des Nachrichtenflusses wußte es der Erzherzog bald.[xxxviii]

Am 25. Oktober 1916 traf Erzherzogin Zita in Siebenbürgen ein. Sie blieb bis Anfang November und absolvierte ein eigenes Programm. Allein oder zusammen mit ihrem Gemahl besuchte sie Spitäler und Wohltätigkeitsveranstaltungen.[xxxix]

Erzherzog Carl plante, die rumänische Offensive vor Winterbeginn siegreich zu beenden. Die Könige Ferdinand von Bulgarien und Ludwig von Bayern kamen zu Frontinspektionen nach Schäßburg (Sighisoara), dem Standort seines Heeresgruppenkommandos.[xl]

Der Besuch des Erzherzogs in Pleß hatte für den Frieden gewirkt. In Deutschland und Frankreich setzten Nachdenkprozesse ein, es liefen Kontakte für einen deutschen Sonderfrieden und zur Wiederherstellung Belgiens auch mit Rußland. Kaiser Wilhelm bemühte sich, Fäden in die USA zu knüpfen, wo Präsident Woodrow Wilson die europäische Friedensfrage zum Wahlkampfthema propagierte.[xli]

Am 17.Oktober 1916 hatte Baron Burián seine Konzepte für ein Friedensangebot der Zentralmächte an die Entente in Pleß vorgelegt., Burián wünschte, um negative Einflüsse auszuschalten, keine Friedensvermittlung Neutraler. Ihnen (Amerika, Spanien, Schweiz, Holland, Skandinavische Saaten) sei das Friedensangebot nur zu  übermitteln; der Papst, kein souveräner Fürst, nur durch eine Privataktion zu beteiligen.

Burián konkretisierte 18 Punkte seines Friedensprogrammes. Er schlug die volle Integrität der vier verbündeten Mächte und des französischen Territoriums, die Wiederherstellung Belgiens, der Königreiche Serbien und Montenegro (ausgenommen abzutretende Gebiete) und die territoriale Integrität Griechenlands vor. Internationale Verträge hätten das Königreich Polen, die Selbständigkeit Albaniens unter österreichischem Protektorat sowie die Aufhebungen aller Kapitulationen in der Türkei anzuerkennen, die russischen Wünsche zur Durchfahrt durch die Meerengen zu erfüllen. Österreich–Ungarn sollte Grenzkorrekturen erhalten, Deutschland die Restitution seiner Kolonien und des Kongostaates. Burián wünschte, die Zustimmung Bulgariens und der Türkei einzuholen. Bethmann Hollweg stellte diplomatisch die Antwort in Aussicht.[xlii]

In Pleß beschloß man, Kundgebungen zugunsten des polnischen Staates zu organisieren, in den Okkupationsgebieten Truppen anzuwerben und eine polnische Wehrmacht unter deutscher Ausbildung aufzustellen. Zur Vereinheitlichung der Verwaltung wurde dem Generalgouvernement von Warschau eine k.u.k. Delegation zugeteilt.[xliii]

Zehn Tage später präzisierte Bethmann Hollweg den deutschen Standpunkt: ein Friedensangebot der Mittelmächte stünde entweder nach der Einnahme von Bukarest oder nach Abschluß des Rumänienkrieges oder überhaupt erst im Frühling zur Diskussion. Deutschland war gegen konkrete Friedensbedingungen[xliv]und nur an der polnischen Frage interessiert.[xlv] Trotzdem entschloß sich Kaiser Wilhelm am 31. Oktober 1916, dem Reformationstag, zum Frieden zu kommen.[xlvi] Zuerst sollte das Königreich Polen proklamiert, nach dem Rumänienkrieg das Friedensangebot veröffentlicht, das internationale Echo abgewartet und mit Bulgarien und der Türkei verhandelt werden.

Obwohl Kaiser Franz Joseph den deutschen Standpunkt akzeptierte, wünschte er, die österreichisch–ungarische Position mit einem konkreten Friedensprogramm in den Text aufzunehmen.[xlvii] Ludendorff äußerte sich weniger konzessionsbereit und knüpfte seine Zustimmung zum “Friedensangebot der Zentralmächte” an ein Gesetz zur “Mobilisierung des deutschen Volkes”.[xlviii]

Parallell zu diesen Vorverhandlungen arbeitete Matthias Erzberger, deutscher Reichstagsabgeordneter und Führer der Zentrumspartei für den Frieden. Er hatte den Kriegseintritt Italiens 1915 zu verhindern gesucht[xlix]und hielt Kontakt mit Herzogin Maria Antonia von Parma und Kardinal Friedrich Gustav Piffl, dem Erzbischof von Wien.[l] Am 11. November 1916 versuchte Erzberger Papst Benedikt XV., der die Wiederherstellung Belgiens forderte, in seine Friedensbemühungen einzubinden und  den Heiligen Vater um die Friedensvermittlung zu bitten.[li] Im Lauf des Novembers 1916 wandte sich auch Erzherzog Carl an Benedikt XV. Er übersandte ihm das “Friedensangebot der Zentralmächte” und ersuchte ihn, sich mit seinem ganzen Einfluß für die Beendigung des Krieges einzusetzen.[lii]

Nach dem Tod Stürgkhs ernannte Kaiser Franz Joseph Ernest von Koerber zum Österreichischen Ministerpräsidenten. Koerber, schon von 1900 bis 1904 in diesem Amt, hatte innenpolitische Erfahrung.[liii] Er war deutschnational orientiert und nach Kaiserin Zita Exponent der Freimaurerei, die in Österreich, nicht in Ungarn, verboten war.[liv] Koerber war mit Thomas Masaryk , dem Führer der Exiltschechen, auf gutem Fuß.[lv] Edvard Beneš, intellektuell hervorragend und ähnlich Masaryk haßerfüllt gegen die Donaumonarchie, setzte in London und Paris alles in Bewegung, um England und Frankreich zur Ablehnung des “Friedensangebots der Zentralmächte” zu motivieren,.[lvi]

Der Tod des Grafen Stürgkh hatte Kaiser Franz Joseph getroffen. Nachdem er von  seiner Ermordung erfahren hatte, meinte er zum Generaladjutanten Graf Paar: “[...] <das ist viel schlimmer als eine verlorene Schlacht.>[...]” [lvii] Seit dem 11. November laborierte der alte Kaiser. Montenuovo telephonierte dem Thronfolger, er möge nach Wien kommen. “Seine Majestät hatte einen Collaps.” [lviii] Als Erzherzog Carl in Schönbrunn eintraf, ging es dem Kaiser schon besser.

Der Thronfolger stellte sich auf den Tod Franz Josephs ein. Er empfing Conrad und verschiedene Minister. Am 18. November verschlimmerte sich das Befinden Seiner Majestät, es trat eine Lungenentzündung ein. Bezeichnend für die politische, weniger für die persönliche Einstellung des Kaisers zum Thronfolger war sein Befehl an Burián, jetzt erst die Abkommandierung von Erzherzog Carl nach Wien zu veranlassen.[lix]

Der 20. November brachte eine neuerliche Verschlechterung im Befinden Franz Josephs. Er verstarb am 21. November 1916 um 21 Uhr 05 im Beisein seiner Familie in dem Augenblick, als Burgpfarrer Seydl die Sterbegebete beendet hatte.

Zusammen mit den Hofdamen der Erzherzoginnen Zita und Maria Josepha und mit dem Dienstkämmerer des Thronfolgers, Graf Wladimir Ledochowksi, wartete der Kammervorsteher Prinz Zdenko Lobkowitz in der Antekamera von Schönbrunn: “Wielange dieses Warten dauerte, kann ich nicht mehr sagen,[...] endlich erschienen sie [Kaiser Karl, Kaiserin Zita und Erzherzogin Maria Josephs]. Ehrerbietig verbeugten wir uns, doch die Herrschaften kamen direkt auf uns zu und reichten uns in tiefster Bekümmernis die Hand. Vom Augenblick überwältigt, küßte ich die Hand meines Kaisers und Herrn, dem ich schon mehr als neun Jahre gedient hatte, und machte ihm ein Kreuz auf die Stirne, wie ich es auch vor seiner Hochzeit getan hatte und sagte dabei <Gott segne Eure Majestät>” [lx]

Schon liefen die Vorbereitungen für das große Leichenbegängnis von Franz Joseph I. [lxi]

Die Leiche des alten Kaisers blieb bis zum 27. November in Schönbrunn aufgebahrt, am 26. November fand die Abendandacht bei bereits geschlossenem Sarg statt.[lxii] Der Kaiser hatte testamentarisch, “[...]die Beisetzung dieser Meiner irdischen Reste vereinigt in der Gruft Meiner Vorfahren, ohne Übertragung einzelner Bestandteile in andere Grüfte[...]” verfügt [lxiii] Nach kurzer Einsegnung wurde Am 27. November um 10 Uhr abends der Sarg “[...]durch die Galerie hinausgetragen, umgeben von Edelknaben mit Windlichtern [...]Dann bildeten die Garden das ambulante Spalier[...]die Mitteltür der Galerie auf der Freitreppe öffnet sich, eben schlägt die Schloßuhr die zehnte Nachtstunde[...].” Im großen Pomp funèbre bewegte sich der Leichenzug von Schloß Schönbrunn, in dem augenblicklich alle Lichter verlöschten, über die Mariahilferstraße zur Hofburg, wo er im Schweizer Hof um ½ 12 Uhr nachts ankam.[lxiv]

Am 28. November fuhr Kaiser Wilhelm nach Wien; er legte “[...]großen Wert darauf, als erster beim jungen Kaiser zu erscheinen, um ihm seine Beileidsgefühle noch vor den allgemeinen Trauerfeierlichkeiten auszusprechen[...]“.[lxv] König Ferdinand von Bulgarien war bereits vor ihm nach Schönbrunn gekommen “[lxvi] Baron Grünau berichtete Bethmann Hollweg vom Trauerbesuch Wilhelms II. in Wien. Kaiser Karl, von der enormen Verantwortung, die nun auf ihm lastete, gezeichnet, sprach sofort von der Notwendigkeit, zum Frieden zu kommen und über die Ernährungsschwierigkeiten. Beide Herrscher überlegten auch die Nominierung von Kandidaten für einen künftigen König von Polen. Kaiser Karl informierte Wilhelm II., von seiner Entscheidung, den Oberbefehl über die k.u.k. Armee zu übernehmen und das Armeeoberkommando von Teschen in die Nähe Wiens zu verlegen. Beide Herrscher stimmten überein, den Vertrag über die gemeinsame Oberste Kriegsleitung zu verändern. Kaiser Wilhelm hielt es sich zugute, daß Kaiser Karl am Abend dieses Tages frischer und zuversichtlicher wirkte.[lxvii]

Am Andreastag, dem Fest des Patrons der Vlies Ordens Ritter, dem “[...]30. November 1916 , 2 Uhr nachmittags, war das Leichenbegängnis des Kaisers angesetzt[...]Die gesamte Garde versammelte sich im inneren Burghof”, berichtete Erwein Lobkowitz aus seiner Erinnerung. “Wir boten ein sehr schönes buntes Bild; es dominierten Rot und Gold, etwas gemildert durch die großen Krägen, die bei den berittenen Garden weiß, bei den Trabanten schwarz waren[...]Wieder rückten[...]etliche sechsspännige Hofstaatswagen aus, für die obersten Hofchargen, die Hofdienste und Generaladjutanten des alten Kaisers[...]Nun setzte sich die Garde in Marsch. Voraus die Infanteriekompagnie mit ihrer Fahne[...]Endlich folgte der riesige Leichenwagen[...]Vier Lakaien und vier Edelknaben mit Wachsfackeln verstärkten noch das Seitenspalier[...]Am Bock des Leichenwagens saß der langjährige Leibkutscher des Kaisers, Walter.[...]Auf einem schönen Schwarzbraunen aus dem Leibstall des Kaisers ritt rechts vom Wagen der Oberststallmeister, Fürst Pálffy. Als einziger Schmuck seines schwarzen Mantels leuchtete das Goldene Vlies.[...]Hinter dem Leichenwagen kamen in weißen Radmänteln hoch zu Roß zwei sogenannte Brigaden der Arcièren und der ungarischen Leibgarde, die allerdings zusammen kaum 50 Mann stark waren. Spitze und Schluß des Zuges bildete je eine Kompagnie Infanterie und eine Eskadron Kavallerie. Wir marschierten ein flottes Tempo über den äußeren Burgplatz, Ringstraße, Rotenthurmstraße zur Stefanskirche.

Die Menschenmenge war riesig, sie verhielt sich still und würdig. Nur vom andern Ufer des Donaukanals hörte ich etliche schrille Pfiffe, angeblich aus Protest gegen die Polizei, die nicht allzuviele Menschen auf die Brücken ließ. Auf dem Stefansplatz war großes Halt. Punkt 3 Uhr, wie es angesagt war, wurde der Sarg in die Kirche getragen. [...]Nachdem Kardinal Piffl die Einsegnung vorgenommen hatte, setzte sich nach etwa einer halben Stunde der Zug wieder in Gang. Diesmal trat der Hofstaat des alten Kaisers dem Leichenwagen vor. Hinter dem Wagen schritten die Majestäten, zwischen ihnen der kleine, vierjährige Kronprinz im weißen Kleid mit einem Flor am Arm; er trug zum ersten Mal das Goldene Vlies, das er eben bekommen hatte. Ihnen folgte die unendliche Schar der Trauergäste, nach Rang geordnet, die sich in der Stefanskirche versammelt hatten[...]“.[lxviii]Zum Begräbnis Franz Josephs waren die Könige von Bayern, Sachsen und Bulgarien, der deutsche Kronprinz, der türkische Thronfolger Prinz Wahd ed- Din, der schwedische Kronprinz Gustav Adolf und Prinz Waldemar von Dänemark, für Spanien Prinz Ferdinand von Bayern, der durch seine Heirat mit der Schwester von König Alphons Infant von Spanien war, gekommen.[lxix]“[...] Es ging nun durch die Kärntnerstraße, Kupferschmiedgasse über den neuen Markt zur Kapuzinerkirche. Hier fand die eigentliche Beisetzung statt, sie dauerte sehr kurz. Sehr eindrucksvoll der Gardetrommler, der die <Leiche austrommelte.> Gleich nachher fuhren die Majestäten im Auto an uns vorüber, zur Burg zurück.[...] Freitag, den 1. Dezember um 5 Uhr Nachmittag wurden in der Hofburgkapelle die Vigilien für den verstorbenen Kaiser abgehalten; ebenfalls dort wurde am Samstag, den 2. Dezember, dem 66.Jahrestag [sic!, es war der 68. Jahrestag]seiner Thronbesteigung, das Seelenamt für ihn gelesen[...].”[lxx] Der Pomp funèbre dieses Leichenbegängnisses spiegelte ein letztes mal Größe und Situation des Reiches, mit dem sich Franz Joseph I. sein Leben lang identifiziert, dem er unermüdlich gedient hatte. Franz Joseph, dessen Signum ein  Zeitalter trug. Von der Bevölkerung als Darstellung des Endes der Österreichisch–ungarischen Monarchie erlebt, deckte die große Form der Trauerzeremonie die Blößen und Wunden des Krieges. Für den Moment verhüllte sie die nahezu unlösbaren Probleme, die der Tote seinem Nachfolger schweigend vererbt hatte.

 

[i] Scherer–Grunewald,1, 477–481 (Nr.332): Wien, 1916 September 28: Tschirschky an Bethmann Hollweg; vgl. auch unser Kapitel I.
[ii] Scherer–Grunewald,1, 482 – 482 (Nr.333):Berlin, 1916 September 29: Bethmann Hollweg an Hindenburg; darüber findet sich in StLA, NL Herberstein, TB, nichts. Es vermerkt auf 415, 20. September 1916:”[...] In Wien war eigentlich nicht viel los. Vormittag hatte Seine Kaiserliche Hoheit seine Audienz bei S.M., um ein Uhr war Déjeuner im Palais[...]“
[iii] Scherer–Grunewald,1, 486 (Nr.335): Berlin, 1916 September 30: Bethmann Hollweg an Wilhelm II.; Gonda, 294, [Juli 1916].
[iv] Scherer–Grunewald,1, 487 (Nr.336): Pless, 1016 Oktober 1: Wilhelm II. an Bethmann Hollweg.
[v] Gonda, 303, fehlerhafte Datierung des betreffenden Dokuments auf 410 Anm.64; Hutten –Czapsky, 2, 169–170; Rauchensteiner, 395.
[vi] Burián, 141.
[vii] KA, NL Brougier, TB, fol. 112r.
[viii] KA, NL Brougier, TB, fol. 112r.
[ix] Alexander Frh von Krobatin.
[x] KA, NL Brougier, TB, fol. 112v.
[xi] Scherer–Grunewald, 1, 513–515 ( Nr. 345): Note Wilhelms II.: Pless, 1916 Oktober 9. Unterhaltung Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Thronfolger und mit Graf Berchtold. Paraphiert von Bethmann Hollweg, 11. Oktober 1916.
[xii] KA, NL Brougier, Konzepte, fol. 239r–240v, Vermerk: Bericht Sr. K. u. K. Hoheit an S.M. Wien über Besuch in Pless am 9./10; Scherer–Grunewald, 1, 513-515 (Nr. 345): Note Wilhelms II.: Pless, 1916 Oktober 9. Unterhaltung Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Thronfolger und mit Graf Berchtold. paraphiert von Bethmann Hollweg, 11. Oktober 1916.
[xiii] Die vom Wiener Kongreß sanktionierte Teilung (Österreich – Galizien, Preußen- Posen und Westpreußen, alle übrigen polnischen Gebiete an Rußland mit Ausnahme  des Freistaates Krakau) blieb bis zum Ersten Weltkrieg gültig. Das Herzogtum Warschau (Kongreßpolen) wurde von Zar Alexander I. in Personalunion mit Rußland verbunden, mit eigener Verfassung, Verwaltung und Armee ausgestattet. Nach den Aufständen von 1830/31 und 1863/64 verlor Kongreßpolen seine Sonderstellung innerhalb Rußlands. Es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Hort des polnischen Nationalismus.
[xiv] Zeman, 110-120: nach den Dokumenten dargestellte Geschichte der Verhandlungen vom 4. 8.1915 – 5.11.1916.
[xv] Scherer–Grunewald, 1, 513-515 (Nr. 345): Note Wilhelms II.: Pless, 1916 Oktober 9. Unterhaltung Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Thronfolger und mit Graf Berchtold. paraphiert von Bethmann Hollweg, 11. Oktober 1916.Kaiser Wilhelm II. beanspruchte diese Gebiete zur Verteidigung seiner Ostgrenze (Preußen – Posen – Schlesien), denn “[...]die deutsche Ostgrenze werde an der polnischen Ostgrenze verteidigt.[...]“
[xvi] KA, NL Brougier, Konzepte, fol. 240v. Der Thronfolger beantwortete die Frage Kaiser Wilhelms, wie sich Österreich -Ungarn zu verhalten gedenke, würden die Russen die Kompensationen (Russisch Polen – Ostgalizien–Bukowina) ablehnen, nicht. Anderseits “[...]gab aber der Kaiser zu, daß man an eine Rückeroberung der betreffenden Gebiete [Ostgalizien und Bukowina], was er vorgeschlagen hatte, nicht denken könne, betonte jedoch, daß Deutschland Russisch Polen benötige, weil die derzeitige russische Grenze zu nahe an Berlin sei”[...].
[xvii] Scherer–Grunewald,1, 515 (Nr. 345): Note Wilhelms II.: Pless, 1916 Oktober 9. Unterhaltung Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Thronfolger und mit Graf Berchtold. paraphiert von Bethmann Hollweg, 11. Oktober 1916. Faktisch gab Erzherzog Carl zu erkennen, daß er Stürgkh nicht schätzte, weil er die Schul–und Amtssprachenrefom des Innenministers Konrad von Hohenlohe, die sehr gut und vom Kaiser gebilligt worden war, hintertrieben hätte. Burián war für ihn doktrinär, pedantisch und maßlos langweilig; es sei wenig mit ihm auszurichten. Tisza schätzte er als großen Staatsmann mit viel Energie, “[...]natürlich etwas Magyar. Er schilderte mir die Stimmung im Lande als unsicher und unvertraut, da eben die feste Hand fehle[...].” Erst zum Schluß nannte der Thronfolger Namen von Persönlichkeiten, die Burián und Stürgkgh ersetzen könnten: Konrad Hohenlohe, als österreichischen Ministerpräsidenten, eventuell Graf Szecsen, den er für dumm hielt, als Außenminister, oder den “Berliner [Gottfried] Hohenlohe.”
[xviii] KA, NL Brougier, TB, fol.113r.
[xix] UR, Nr. 20.
[xx] Hantsch, Berchtold, 2, 789.
[xxi] Afflerbach, 466-467 mit Anm5; dagegen TS 2836: “[...] Die große militärische Begabung des [Erzherzog Thronfolgers] zeigte sich vor allem bei der Vorbereitung und Durchführung der Offensive gegen Rumänien, die das Werk des [Erzherzogs] gewesen ist, wenn auch der endgiltige Erfolg–die Einnahme Bukarests–durch einen deutschen General [Mackensen] erfolgte, weil [der Erzherzog Thronfolger] bereits nach Wien abberufen worden war[...].” In ÖUlK, V, 467 -514 diffuse Darstellung, nicht zu belegen.
[xxii] Regele, 50-51 es beteiligen sich Österreich–Ungarn mit 46%, Bulgarien und Türkei mit 32% und Deutschland mit 22 % an Truppenkontingenten; Mackensen, 309-310.
[xxiii] Die Fahrt ging von Nagyvárad (ehem. Großwardein) aus nach Hermannstadt, zum Alpenkorps über den Rotenturmpaß nach Karlsburg und Tövis, (Heute: Oradea, Sibiu, Tarnu Rosu, Alba Iulia, Teius.)
[xxiv] Hantsch, Berchtold, 2, 790.
[xxv] Neck,1/1,128.
[xxvi] Neck, 1/1, 130 – 131: für 22.Oktober 1916 10 Uhr vormittags hatten die Universitätsprofessoren Dr. Edmund Bernatzik , Dr. Heinrich Lammasch, Dr. Emil von Schrutka, Hofrat Dr. Fuchs und Univ.-Doz. Dr. Ludo Hartmann im Wiener Großen Konzerthaussaal eine auf geladene Gäste beschränkte Versammlung geplant. Dabei sollte die Frage der Einberufung des Parlaments diskutiert werden. Als Redner waren vorgesehen: Bernatzik, Dr. Julius Sylvester(Präsident und Vizepräsident des Abgeordneten Hauses), Karl Kukel (Christlichsozialer), Engelbert Pernerstorfer (Sozialdemokrat). Am Vortag verbot die Wiener Polizeidirektion diese Versammlung.
[xxvii] Neck, 1/1, 128-129.
[xxviii] Sutter,: Habsburgermonarchie III/1, 221.
[xxix] Neck, 1/1 120, 136 – 140.
[xxx] Neck, 1/1, 99, 131, 155 -157.
[xxxi] Am 4. November 1916 in Wien:Neck, 1/1, 158.
[xxxii] Polzer–Hoditz 158 – 160; Redlich TB 2, 149; Sutter: Habsburgermonarchie III/1, 328 – 329; Fussek, passim.
[xxxiii] Fussek, 158–164; Conrad, Private Aufzeichnungen, 161:”[...]Kaiser Franz Joseph äußerte mir gegenüber wiederholt:<Glauben Sie mir, die Monarchie läßt sich nicht konstitutionell regieren.>[...].”
[xxxiv] Fusssek, passim; Gonda, 428 (Register).
[xxxv] UR, Nr. 20; Hantsch, Berchtold, 2, 790.
[xxxvi] Meier–Welcker, 105–106;TS 3130–3131
[xxxvii] StLA, NL Herberstein, TB, 418: 03.November 1916; Bericht von seiner Fahrt nach Siebenbürgen: “[...] Mit uns fährt auch ein sehr angenehmer Deutscher, der zum Stabe der  Heeresgruppe Erzherzog Karl einrückt[...]“.
[xxxviii] KA, NL Brougier, TB, fol. 124v; StLA, NL Herberstein, TB, 418-419; Werkmann, Deutschland als Verbündeter, 71.
[xxxix] KA, NL Brougier, TB, 119v- 124v; StLA, NL Herberstein, TB, 418-419 mit unwahren Eintragungen vom 4. November 1916. Dagegen HHStA, NL Brougier, TB, fol.119v.
[xl] KA, NL Brougier, TB, fol.124v – 127r (3. November – 8. November 1916)
[xli] Scherer–Grunewald, 1, 244- 246 (Nr. 181): Bern, 1916 Jänner 2: Romberg an Bethmann Hollweg; 416 (Nr. 295): Pless, 1916 Juli 26: Jagow an Auswärtiges Amt; l. c., 456-460 (Nr. 314-317): Pless, 1916, August 23: Bethmann Hollweg an Auswärtiges Amt, Berlin, 1916: Jagow an Bethmann Hollweg (Pless); München, 1916 August 26: Schoen an Bethmann Hollweg; München, 1916 August 27: Brief von Toerring mit Beilage: Grenzarrondierung zwischen Frankreich und Deutschland; l. c. 488-491 (Nr. 337, 338, 339): Berlin, 1916 Oktober 2 und3: Bethmann Hollweg an Wilhelm II; Washington, 1916 Oktober 5: Bernstorff an Auswärtiges Amt; l. c. 510-513 (344): Berlin, 1916 Oktober 10: Bethmann Hollweg an Hindenburg; l. c. 515 -516 (346): Pless, 1916 Oktober 13: Grünau an Auswärtiges Amt.
[xlii] Scherer–Grunewald, 1, 517-519 (Nr.347): Berlin, 1916 Oktober 18: Note von Bethmann Hollweg.
43 Scherer Grunewald, 1, 520 (Nr.348): Pless, 1916 Oktober 18: Note von Jagow.
[xliv] Scherer–Grunewald, 1, 532-534, (Nr. 353): Berlin, 1916 Oktober [28]: Entwurf eines Telegramms von Bethmann Hollweg an die Botschaft in Wien
[xlv] Dazu sehr ausführlich: Lemke, 321–373.
[xlvi] Scherer–Grunewald, 1, 536 (Nr. 356):o. O., 1916 Oktober 31: Wilhelm II. am Bethmann Hollweg:”[...] Den Vorschlag zum Frieden zu machen, ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, um die Welt–auch die Neutralen–von dem auf allen lastenden Druck zu befreien. Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott verantwortlich fühlt und ein Herz für seine und  feindliche Menschen, der unbekümmert um die eventuellen absichtlichen Mißdeutungen seines Schrittes den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Mut dazu, ich will es auf Gott wagen. Legen Sie mir bald die Noten vor und machen Sie alles bereit[...].”
[xlvii] Scherer–Grunewald, 1, 536-538 (Nr.357): Berlin, 1916 November 1: Bethmann Hollweg an die Botschaft in Wien mit Telegramm Wilhelms II. an Franz Joseph; 546-547 (Nr.364): Schloß Schönbrunn, 1916 November 5: Franz Joseph I. an Wilhelm II.
[xlviii] Scherer-  Grunewald, 1, 541-542 (Nr. 360): Pless, 1916 November 4: Grünau an Auswärtiges Amt
[xlix] UR, Nr. 13 mit Anm.3
[l] Liebmann, 93-108.
[li] Scherer – Grunewald, 1, 554 – 555 (Nr.371): Berlin, 1916 November 11: Erzberger an Gerlach;  auch: Steglich, Friedensappell,42-43 (Nr. 13).
[lii] UR, Nr.22.
[liii] Leitgeb, 125 -131.
[liv] TS 3152.
[lv] Masaryk, Weltrevolution, 26; Polzer–Hoditz, 394 -395 mit Anm. 2, bezweifelt die Richtigkeit dieser Darstellung.
[lvi] Beneš, 126-130.
[lvii] Polzer – Hoditz, 158.
[lviii] KA, NL Brougier, Konzepte, unfoliert, und TB, 128v-129r.
[lix] Burián, 184.
[lx] AGL, Reminiszenzen von Zdenko Lobkowicz, Nr II. (Thronbesteigung.) Original – Reinschrift, signiert.
[lxi] AGL, Reminiszenzen von Zdenko Lobkowicz, Nr. II.(Thronbesteigung).
[lxii] Erwein Lobkowitz, 226:” [...]Nachdem wir am 25. November uns alle aus dem Sterbezimmer entfernt hatten,[...]schloß Montenuovo eigenhändig die Doppelflügel der Tür des Sterbezimmers. Am 26 abends machte ich zum letzten Male die Andacht mit, doch schon bei geschlossenem Sarg[...].”
[lxiii] HHSTA, Familienurkunden 2838, 1901 Februar 6, Testament Kaiser Franz Josephs I. P. 2.
[lxiv] Erwein Lobkowitz, 232 und 229.
[lxv] StLA, TB Herberstein, 425.
[lxvi] Erwein Lobkowitz, 229.
[lxvii] Scherer – Grunewald, 1, 586-587 (Nr. 398): Pless, 1916 November 29: Grünau an Bethmann Hollweg.
[lxviii] Erwein Lobkowitz, 234-237.
[lxix] Erwein Lobkowitz, 233. Der deutsche Kaiser blieb offiziell dem Leichenbegängnis aus Gesundheitsrücksichten fern. Er ließ  sich von Kronprinz Wilhelm vertreten, “[...] weil man Kaiser Wilhelm der Gefahr eines Attentates nicht aussetzen wollte[..]..” Vgl. :BAR, E 2001 (A) 117/Mappe XXI, 12 (1916) Nr. 136: Bourcart an Motta, Wien, 1916 Dezember 2.
[lxx] Erwein Lobkowitz, 237-248.